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MÖLLER-SAKOMELSKI , Alexander Nikolajewitsch, * 1. November 1844, † 1923. Baron, Militärführer, General der Infanterie (1906), Großgrundbesitzer (Majorate in den Gouvernements Witebsk und Wolhynien mit einer Gesamtfläche von 3.950 Desjatinen)

Rubrik: Biographische Beiträge (Personalien) / Vertreter des sozialen Bereichs (Bildung, Medizin)

MÖLLER-SAKOMELSKI, Alexander Nikolajewitsch, * 1. November 1844, † 1923. Baron, Militärführer, General der Infanterie (1906), Großgrundbesitzer (Majorate in den Gouvernements Witebsk und Wolhynien mit einer Gesamtfläche von 3.950 Desjatinen).

Alexander Möller-Sakomelski war der Sohn des Generals der Infanterie Nikolai Iwanowitsch Möller-Sakomelski und orthodoxer Konfession. Nach Abschluss der St. Petersburger Nikolai-Kavallerieschule der Gardejunker wurde er 1862 im Rang eines Kornetts an das Leibgarde-Husarenregiment überstellt. In den Jahren 1863/64 nahm er an der Niederschlagung des Polnischen Aufstands teil. In den Jahren 1866-68 lernte er an der Nikolai-Akademie des Generalstabs, schloss sein Studium aber nicht ab. Er zeichnete sich im Chiwa-Feldzug von 1873, im Feldzug gegen das Chanat Kokand (1875-76) sowie im Russisch-Osmanischen Krieg von 1877/78 aus. Zweimal wurde gegen ihn ermittelt, weil er sich als Sekundant an Duellen beteiligt hatte (1860) bzw. seinen Gegner im Duell getötet hatte (1874), doch beide Male gebot Zar Alexander II., diese Vergehen nicht als Hindernis für seine weitere Laufbahn zu werten.

Von 1898 an kommandierte Möller-Sakomelski die 10. Infanterie-Division, von 1901 an die 3. Gardedivision der Infanterie und in den Jahren 1904-06 das Siebte sowie anschließend das Fünfte Armeekorps. Während der Revolution von 1905-07 führte er im November 1905 die Niederschlagung des Aufstands der Matrosen der Schwarzmeerflotte in Sewastopol. Am 15. November stellte er den Aufständischen ein Ultimatum, das die Aufforderung zur sofortigen Kapitulation enthielt, aber von deren Anführer Leutnant Pjotr Schmidt zurückgewiesen wurde, woraufhin die Flotte der Aufständischen in einem anderthalbstündigen Kampf zerschlagen wurde. Am Morgen des 16. Novembers schlugen die von Möller-Sakomelski geführten Truppen auch die letzten Herde des Widerstands der revolutionären Matrosen nieder und nahmen die Kaserne der Flotte in Sewastopol im Sturm. In seinem persönlichen Bericht an den Zaren erklärte Möller-Sakomelski, dass auf Seiten der „Meuterer“ 95 Personen getötet worden seien.

Ende 1905 - Anfang 1906 leitete Möller-Sakomelski Strafexpeditionen entlang der Eisenbahnlinie Samara-Slatoust und an der Sibirischen Eisenbahn, bei denen es auch Exekutionen ohne Gerichtsverfahren und körperlichen Züchtigungen zum Einsatz kamen. Unter anderem wurden auf Befehl Möller-Sakomelskis die Teilnehmer einer Arbeiterversammlung des Eisenbahndepots Ilanskaja erschossen, wobei etwa 50 Personen ihr Leben verloren. Weitere Exekutionen und Züchtigungen gab es auch an den Stationen Nischneudinsk, Sima, Innokentjewskaja, Sljudanka und Mysowaja. Unter den Erschossenen war auch der Bolschewik I.W. Babuschkin, einer der Führer des bewaffneten Aufstands in Tschita. Nach der Niederschlagung der revolutionären Bewegung entlang der Sibirischen Eisenbahn stellte Möller-Sakomelski die Verbindung zwischen der Mandschurischen Armee und Westsibirien wieder her. Möller-Sakomelskis Vorgehen gegen die Aufständischen fand Billigung in höchsten Kreisen. So erklärte der Vorsitzende des Ministerrats Sergei Witte, Möller-Sakomelski habe die Operation sehr gut durchgeführt. Zar Nikolai II. kommentierte die Frage, ob die von Möller-Sakomelski praktizierten außergerichtlichen Morde legal gewesen seien, mit den Worten: „Rennenkampf räsoniert zu viel, Möller wirkt besser“. Im Oktober 1906 wurde Möller-Sakomelski zwischenzeitlich zum Generalgouverneur der Ostseeprovinzen ernannt. Innerhalb kürzester Zeit konnte er die bäuerlichen Massenproteste niederschlagen und die die örtlichen Gutsbesitzer terrorisierenden „Waldbrüder“ vernichten. Witte bemerkte in diesem Zusammenhang: „Wenn Möller-Sakomelski nicht General wäre, wäre er seinem Charakter nach sicher ein guter Kerkermeister“.

Im Juli 1909 wurde Möller-Sakomelski zum Mitglied des Staatsrats ernannt, wo er sich der Gruppe der Rechten anschloss, aber schon bald durch betrügerischen Machenschaften beim Verkauf seines Landguts, hohe Spielschulden im Ausland und das „Zusammenleben mit einer jungen Dame“ kompromittiert wurde. Von Januar 1912 an gehörte er nicht mehr zu den aktiven Mitgliedern, vom 1. Mai 1917 an wurde er nicht mehr geführt und am 25. Oktober des gleichen Jahres offiziell aus dem Dienst entlassen. Nach der Februarrevolution von 1917 wurde er von der Außerordentlichen Untersuchungskommission der Provisorischen Regierung verhört. Von 1919 an lebte Möller-Sakomelski in der Emigration.

Literatur

Бородин А.П., Государственный совет России (1906–1917), Киров, 1999; Витте С.Ю., Воспоминания, т. 3, М., 1960, с. 153–55; Карательные экспедиции в Сибири в 1905–1906 гг., М.-Л., 1932 (ук.); Орлов Л., Сибирский палач генерал-лейтенант барон Меллер-Закомельский..., в кн.: Из истории революционного движения в России..., вып. 1, Н. Новгород, 1907; Падение царского режима, т. 7, М.-Л., 1927 (ук.); * Сибирская экспедиция барона Меллера-Закомельского, «Былое», 1917, № 3. * Сибирская советская энциклопедия, т. 3, б. м., б. г.; СИЭ; ОИ.

Autoren: Šlâhov A.

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