KARGEL, Iwan Weniaminowitsch, * 1849, † 1937 oder 1939, in Deutschland geborener protestantischer Prediger und Theologe.
Kargel absolvierte das Baptistische Seminar in Hamburg und war Vorstandsmitglied der Berliner Bibelgesellschaft. Später leistete er Missionsarbeit in Bulgarien und kam immer wieder auch nach Russland, um dort geistliche Literatur zu verbreiten. In den 1840er Jahren wurde er nach St. Petersburg eingeladen, um in den dortigen höheren Kreisen geistliche Gespräche zu führen. Im Jahr 1874 leitete er die Station der Memeler Baptistischen Gemeinde in Sankt-Petersburg, im Jahr 1880 die dort mittlerweile unter seiner aktiven Mitwirkung gegründete eigene Gemeinde. Zunächst zusammen mit W.A. Paschkow und Graf M.M. Korff und nach deren 1884 erfolgter Ausweisung aus Russland faktisch alleine betrieb er aktive Missionsarbeit und predigte in der Petersburger Baptistengemeinde. Im April 1884 nahm er am Konvent der Vertreter der evangelischen Strömungen in Sankt-Petersburg teil. Im gleichen Jahr nahm er an der vom 30. April - 1. Mai im Dorf Nowowasiljewka (Gouvernement Taurien) stattfindenden Baptistenkonferenz teil, auf der der Bund der Baptisten Südrusslands und des Kaukasus gegründet wurde, zu dessen Stellvertretendem Vorsitzenden er 1886 gewählt wurde. Im Jahr 1889 reiste er zusammen mit dem Vorsitzenden der Europäischen Evangelischen Allianz F.W. Baedeker durch Russland einschließlich Sachalins, um vor allem unter Strafgefangenen und Gefängnisinsassen das Evangelium zu predigen. Im Verlauf der Reise wurden 12.000 Exemplare des Evangeliums verteilt. Im Jahr 1903 war Kargel Delegierter der Europäischen Baptistenkonferenz in Russland. Im Jahr 1906 unterstützte er die Idee der Gründung der Russischen Evangelischen Allianz (gegründet 1909) und wurde zu einem ihrer herausragenden Führer. 1910 beteiligte er sich an der Gründung der „Bruderschaft des Wirkens der Apostel“ - einer Art baptistischen Mönchsordens.
Kargel war ein Anhänger mystischer und eschatologischer Ideen und unterstrich insbesondere die Notwendigkeit einer strengen geistlichen Erziehung der Gläubigen, die sich von der Welt und ihren Wertvorstellungen abwenden und nach dem Bild Christi wandeln sollten. Der Mensch sollte größte Anstrengungen unternehmen, um rein wie Adam zu werden, damit seine sündige Natur „in den Tod trete und durch eine göttliche ersetzt“ werde. Sein Ideal war eine „Kirche der Heiligen“. 1913 verfasste Kargel eine „Kurze Darlegung der Glaubenslehre“ für die zweite Petersburger Gemeinde der Evangeliumschristen, in der er als Presbyter wirkte. Später nutzten viele evangeliumschristliche Gemeinden Russlands diese Arbeit als Symbol des Glaubens. Kargels Ansichten übten großen Einfluss auf die weitere Entwicklung des Baptismus in Russland aus.
Neben seiner Tätigkeit als Prediger und Autor unterrichtete Kargel in den Jahren 1906–14 in Bibelkursen, in denen Geistliche für die evangelischen Gemeinden ausgebildet wurden. Der Oktoberrevolution von 1917 stand er ablehnend gegenüber. Auf dem Allunionkongress der Evangeliumschristen wurde er 1923 zum Ehrenvorsitzenden gewählt. In den Jahren 1924-28 unterrichtete er in den Bibelkursen in Leningrad. Ende der 1920er Jahre zog er mit Beginn der antireligiösen Massenkampagnen, in deren Verlauf die Tätigkeit des Bundes der Evangeliumschristen eingestellt wurde (Mai 1930), zunächst nach Stary Oskol und später in das Dorf Nikolajewka (Bezirk Sumy, Gouvernement Charkow).
Die Enzyklopädie wurde auf die Initiative der öffentlichen Organisation „Föderale nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“ (FNKA RD) unter aktiver Beteiligung der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erstellt. Das Projekt wurde von den Regierungen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Während der Projektdurchführung wurden Geldmittel verwendet, welche gemäß den Anordnungen des Präsidenten der Russischen Föderation und auf der Grundlage von durchgeführten Wettbewerben der „Nationalen Wohltätigkeitsstiftung“, den allrussischen öffentlichen Organisationen die „Gesellschaft „Wissen“, die „Russische Union der Rektoren“ u.a., in den Jahren 2015–2017 als Zuschüsse zugewiesen wurden.
1 30.04.2026
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„Wir selbst“ – Roman und lebendige Erinnerung: In Tomsk findet offenes Treffen mit Alexander Heier stattAm 30. April findet in Tomsk ein offenes Treffen mit Alexander Heier, dem Direktor des Deutsch-Russischen Hauses in Tomsk, statt. Die Teilnehmer erfahren mehr über das Schicksal des Schriftstellers Gerhard Sawatzky, seinen Roman und die Rolle der deutschen Sprache bei der Bewahrung des historischen Gedächtnisses der Russlanddeutschen.
1 30.04.2026
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Der gesamtrussische Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“ startet!Am 27. April fiel der Startschuss für den 10. gesamtrussischen Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“. In diesem Jahr feiert das Projekt sein Jubiläum und bringt weiterhin Teilnehmer aus dem ganzen Land zusammen, wobei sechs thematische Kategorien für verschiedene Altersgruppen angeboten werden.
1 29.04.2026
Offene Treffen
Deutsches Jekaterinburg: Offenes Treffen über Geschichte der deutschen Gemeinde auf dem StadtplanIn Jekaterinburg findet ein offenes Treffen mit der Kandidatin der Kulturwissenschaften Jekaterina Kaluschnikowa statt, das der Geschichte der deutschen Gemeinde gewidmet ist. Die Teilnehmer erfahren, welche Rolle die Deutschen bei der Entstehung der Stadt gespielt haben – von der Industrie bis hin zu Bildung und Wissenschaft.
1 28.04.2026
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Abschlussfeier der Sprachclubsaison im Deutsch-Russischen Haus in Moskau: erste Teil des FeiertagesAm 18. April hat im Deutsch-Russischen Haus in Moskau die Abschlussfeier der ethnokulturellen Sprachclubsaison stattgefunden. Die Teilnehmenden besprachen die Ergebnisse der Arbeit, präsentierten kreative Darbietungen und betonten in ungezwungener Atmosphäre die Bedeutung des Erhalts der Sprache, der Traditionen und der kulturellen Identität der Russlanddeutschen.
1 27.04.2026
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Generationendialog und neue Ideen: Kulturhistorisches Seminar im Deutsch-Russischen Haus in MoskauAm 25. April war der letzte Tag des jährlichen Kulturhistorischen Seminars im Deutsch-Russischen Haus in Moskau. Zum elften Mal brachte es Nachwuchswissenschaftler sowie führende Experten aus dem ganzen Land zusammen. Über mehrere Tage diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen, präsentierten ihre Forschungsergebnisse und suchten nach neuen Entwicklungsfeldern.
1 26.04.2026
Interview
„Hierher möchte man immer wieder zurückkehren“: Erfahrungsberichte der ständigen Teilnehmer des Kulturhistorischen SeminarsDas Kulturhistorische Seminar verbindet seit elf Jahren Forscherinnen und Forscher, für viele von ihnen ist es eine bedeutende Station auf ihrem akademischen Weg. Wir haben mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern gesprochen, die immer wieder hierher zurückkehren, darüber, wie sich ihre Erfahrungen verändern, worauf an diesem Projekt der Schwerpunkt liegt und warum es so besonders bleibt.
1 25.04.2026
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Kulturhistorisches Seminar – 2026 hat im DRHM begonnen!Am 22. April begann im Deutsch-Russischen Haus in Moskau das jährliche kulturhistorische Seminar, zu dem Studierende, Doktoranden und Nachwuchswissenschaftler aus verschiedenen Regionen des Landes zusammengekommen sind. Über mehrere Tage hinweg werden die Teilnehmer über die Geschichte, Kultur und die aktuelle Entwicklung der Russlanddeutschen diskutieren sowie ihre Forschungsarbeiten vorstellen und wissenschaftliche Erfahrungen austauschen.
1 22.04.2026
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Die Sprache als Spiegel des Denkens: Offenes Treffen mit Natalja Doroschewa in BarnaulAm 25. April findet in Barnaul ein offenes Treffen mit der Dozentin sowie Autorin von Lehrbüchern und wissenschaftlichen Artikeln Natalja Doroschewa statt. Die Expertin, die am Forschungsprojekt „Kognitive Metapher im Lichte der Quantentheorie“ arbeitet, wird einen Vortrag zur Philosophie der deutschen Sprache und ihrem Einfluss auf Denken und Gesellschaft halten.
1 22.04.2026
Veranstaltungen
Frühling und Sommer in den Traditionen: Offenes Treffen zu den Kalenderfesten der RusslanddeutschenIm Russisch-Deutschen Haus in Moskau findet ein offenes Treffen mit der Doktorandin und Dozentin der Staatlichen Universität Omsk namens F. M. Dostojewski, Elena Schlegel, statt. Die Veranstaltung ist den Kalenderfesten der Russlanddeutschen im Frühjahrs- und Sommerzyklus gewidmet. Die Teilnehmenden erwartet nicht nur ein wissenschaftlicher Vortrag, sondern auch ein visuelles Eintauchen in die traditionelle Kultur.
1 20.04.2026
Interview
„Lehren ist der schönste Beruf der Welt“: Interview mit Tatjana SmirnowaÜber Wissenschaft, Lehre und die Rolle kulturhistorischer Seminare im Leben junger Forscher. Im Vorfeld eines kulturhistorischen Seminars sprachen wir mit Tatjana Borisowna über ihren beruflichen Werdegang, ihre Lehrprinzipien, die Herausforderungen des heutigen akademischen Umfelds und die Bedeutung wissenschaftlicher Plattformen für junge Menschen.