JANZEN, Wassilij Wassiljewitsch [geb. am 29. Juni (laut Pass – 21. Oktober) 1950, Karaganda], Maschinenbauingenieur, erster gewählter Vorsitzender des Stadtsowjets der Volksdeputierten von Temirtau in der Perestroika-Zeit (1990).
Geboren in einer Familie deutscher Sonderumsiedler, der Vater – ein Bergmann, die Mutter – eine Hausfrau (bis 1948 – eine Bergarbeiterin). Ging in die Schulen Nr. 58, 60 und 18 von Karaganda und beendete die Mittelschule 1967 mit einer Silbermedaille. 1967 nahm er ein Studium an der Maschinenbau-Fakultät des Polytechnischen Instituts von Karaganda in der Fachrichtung „Maschinenbau-Technologie“ auf. Zum Abschluss des Studiums 1972 verteidigte er seine Diplomarbeit und erhielt ein Diplom.
Zu arbeiten begann er im W.-W.-Kuibyschew-Maschinenbaubetrieb in Petropawlowsk (Kasachstan) als Technologe der mechanischen Abteilung. 1975 wechselte er in die Abteilung des Cheftechnologen, nahm als einer der ersten Spezialisten des Betriebs die Arbeit zur Entwicklung von Programmen für numerisch gesteuerte Anlagen auf.
Auf Einladung von W. G. Schefer, des stellvertretenden Chefmechanikers des Metallurgie-Kombinates von Karaganda (Karmetkombinat), zog er mit der Familie nach Temirtau um, arbeitete im Kombinat als Ingenieur-Programmierer für NC-Maschinen im Zentralen technologischen Labor. 1977 brachte er die ersten solchen Anlagen im Kombinat, in der mechanischen Abteilung zum Einsatz. Später auch in zwei Reparaturabteilungen. 1985 wechselte er in die Abteilung für die Instandsetzung metallurgischer Anlagen Nr. 2 als stellvertretender Abteilungsleiter.
1987 wurde er zum Sekretär des Parteikomitees der Verwaltung des Hauptmechanikers gewählt, einer der größten Parteiorganisationen des Kombinats, die zehn Abteilungsorganisationen vereinigte. Die Arbeit in dieser Funktion fiel mit dem Beginn der Perestroika zusammen. Daher führte er aktiv neue Initiativen in das Parteileben ein. 1989 nahm er als Vertrauensperson an der Tätigkeit des Stabs für die Wahl des Generaldirektors des Karmetkombinats O. N. Soskowez zum Volkdeputierten der UdSSR teil.
Im Dezember 1989 wurde er als Kandidat nominiert und gelangte über den Wahlbezirk Nr. 17 in den Temirtau-Stadtsowjet der Volksdeputierten der 21. Legislaturperiode, wo er mit der aktiven Unterstützung der Abgeordneten des Sowjets vom Karmetkombinat und „Kasmetallurgstroj“-Trust zu dessen Vorsitzenden gewählt wurde. Für ihn votierten 46 Abgeordnete, gegen ihn – 21. Anfang Januar 1990 trat er offiziell das Amt an.
Im März 1990 war aus der Verfassung der UdSSR der Artikel über die führende Rolle der KPdSU entfernt worden. Unter diesen Bedingungen erfolgte ein Umdenken hinsichtlich der Rolle der Sowjets. Die an die Macht gekommenen Menschen mussten lernen, das Land unter den neuen Bedingungen zu lenken. Der Einzug der Enthusiasten in die Machtstrukturen, die keine politischen und Wirtschaftserfahrungen für die Leitungstätigkeit besaßen, schufen zusätzliche Schwierigkeiten für die Arbeit der Sowjets. Neben den Wirtschafts- und kommunalen Aufgaben wurde die Frage der Stabilisierung der operativen Situation in der Stadt zu den erstrangigen in der Arbeit des Stadtsowjets von Temirtau gerechnet. Einеr der wichtigen Schritte war die Einführung von Vergünstigungen für die in Temirtau und in der Siedlung Aktau lebenden Bürger, die unter den Stalinschen Repressalien in den 1920–1950er Jahren gelitten hatten.
W. W. Janzen leistete eine umfangreiche gesellschaftliche Arbeit, leitete Komsomol-Abteilungsorganisationen in Petropawlowsk und Temirtau. Mitglied der KPdSU ab 1978, Sekretär der Parteiorganisation des Zentralen technologischen Labors. Beteiligte sich aktiv an der Arbeit der Gesellschaft „Wiedergeburt“, war Delegierter von Kongressen der Deutschen der UdSSR (1991–1993) und Kasachstans (Oktober 1992). Als Vorsitzender des Stadtsowjets half er bei der Organisierung des deutschen Kulturzentrums in Temirtau und nahm selbst aktiv an dessen Tätigkeit teil. 1992, nach den Augustereignissen im Zusammenhang mit dem Staatsstreichversuch des Staatskomitees für den Ausnahmezustand, trat er aus der Partei aus.
Verheiratet, zwei Kinder. Im Juli 1993 ging er aus familiären Gründen für immer nach Deutschland, lebt derzeit in Gießen.
Die Enzyklopädie wurde auf die Initiative der öffentlichen Organisation „Föderale nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“ (FNKA RD) unter aktiver Beteiligung der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erstellt. Das Projekt wurde von den Regierungen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Während der Projektdurchführung wurden Geldmittel verwendet, welche gemäß den Anordnungen des Präsidenten der Russischen Föderation und auf der Grundlage von durchgeführten Wettbewerben der „Nationalen Wohltätigkeitsstiftung“, den allrussischen öffentlichen Organisationen die „Gesellschaft „Wissen“, die „Russische Union der Rektoren“ u.a., in den Jahren 2015–2017 als Zuschüsse zugewiesen wurden.
1 22.09.2026
Veranstaltungen
Diamanten im Sternbild: Die Preisträger des gesamtrussischen Wettbewerbs „Russland herausragende Deutsche – 2026“ wurden ausgezeichnetAm 19. September fand eines der lang erwarteten und bedeutendsten Ereignisse für die Gemeinschaft der Russlanddeutschen statt – die feierliche Preisverleihung der Preisträger des jährlichen gesamtrussischen Wettbewerbs „Russlands herausragende Deutsche“. Veranstaltungsort des festlichen Abends war der für seine großzügigen neoklassizistischen Säle bekannte „Palast der Kultur“ in Moskau.
1 18.09.2026
Spracharbeit
Der Kalender der Russlanddeutschen: wenig bekannte Feste und Traditionen bei den SprachklubtreffenWarum wird im Sommer der Fußboden mit Gras ausgelegt, und wann muss man nach den Frühlingsbräuchen Purzelbäume schlagen? Hat der Osterhase auch die Wolgadeutschen besucht , und welche Tage galten im Winter als die gefährlichsten?
1 17.09.2026
Interview
Russlands herausragende Deutsche–2026: Wir stellen die Preisträgerin im Bereich gesellschaftliches Engagement Olga Martens vorDie Alten sagten: „Die Belohnung für eine gute Tat liegt in ihrer Vollendung.“ Vor 16 Jahren fasste ein Mensch den edlen Entschluss, die Namen jener Landsleute im Gedächtnis ihrer Mitmenschen zu bewahren, die herausragende Leistungen in der Entwicklung von Wissenschaft und Kultur des Landes sowie in der Bewahrung des historischen Gedächtnisses ihres Volkes erbracht haben. Nun wurde die lange Reihe der „Russlands herausragende Deutsche–2026“ um ihren Namen erweitert. Wir stellen Ihnen die Preisträgerin der Kategorie „Nominierung im Bereich des Zivilen Engagements“, benannt nach Artur Karl, Olga Konstantinowna Martens, vor.
1 14.09.2026
Wettbewerbe, Ausschreibungen
„Freunde der deutschen Sprache“ warten auf neue Teilnehmende... noch 7 Tage!Man sagt zwar: Sieben warten nicht auf einen. Doch wir wissen: Freunde kann man nie genug haben! Die Wettbewerbsjury der „Freunde der deutschen Sprache“ hat die Anmeldefrist verlängert und freut sich bis einschließlich zum 21. September auf Ihre Beiträge.
1 11.09.2026
Spuren der deutschen Kultur in Russland
Geschichten, erzählte durch Licht und Schatten: „Eltern sind aktiv“ in TomskVom 13. bis 17. August fand in Tomsk das Projekt „Eltern sind aktiv“ vom Jugendring der Russlanddeutschen statt. Familien aus ganz Russland erlebten mehrere Tage lang eine gemeinsame Geschichte: Sie erkundeten ihre Wurzeln, lernten die Sprache, bastelten Requisiten, gingen durch alte Straßen spazieren und führten schließlich ihr eigenes Schattentheater auf. Schaut man sich nun die einzelnen Projektbestandteile genauer an und was sie für die Teilnehmer so unvergesslich machte.
1 11.09.2026
Interview
Russlands herausragende Deutsche – 2026: Preisträger der Ehrenkategorie „Name des Volkes“ – Wladimir BauerEr war der Sohn von Sondersiedlern und wurde 1946 in einer kleinen Waldsiedlung im Gebiet Tomsk geboren. Jahre später wurde aus dem Jungen aus der sibirischen Provinz ein Abgeordneter der Staatsduma der I. Legislaturperiode und stellvertretender Minister der Russischen Föderation – und damit ein Akteur im Zentrum der politischen Umbrüche und der Entstehung eines neuen Staates in den 1990er-Jahren. Diesen Weg ging Wladimir Anatoljewitsch Bauer mit Tatkraft und Energie.
1 11.09.2026
Verschiedenes
In ehrendem Gedenken an Tamara Sergejewna ArtamonowaMit großer Trauer geben wir bekannt, dass Tamara Sergejewna Artamonowa am 11. September 2026 verstorben ist. Sie war Direktorin des Deutschen Kulturfonds der Stadt Sajanogorsk sowie Koordinatorin für Spracharbeit des Überregionalen Koordinierungsrates (ÜKR) der Russlanddeutschen Ostsibiriens und des Fernen Ostens.
1 11.09.2026
Interview
Russlands herausragende Deutsche – 2026: Lernen Sie den Preisträger in der Kategorie „Effektive Führungskraft“ Otto Gross kennenIm Jahr 2026 wurden die Preisträger des allrussischen Wettbewerbs „Russlands herausragende deutsche Namen – 2026“ bekannt gegeben. Zu den Preisträgern gehört ein Mann, dessen Leben untrennbar mit dem Rhythmus der Felder und der rauen Schönheit der Kulundasteppe verbunden ist. Otto Ottowitsch Gross hat sich bereits aus dem Geschäftsleben zurückgezogen und die Leitung an seinen Sohn übergeben, doch sein Name ist für immer in die Geschichte der Landwirtschaft des Landes eingegangen. In einem Exklusivinterview sprach er zum ersten Mal so ausführlich nicht nur über die großen Erfolge, sondern auch über die Hintergründe der Unternehmensführung, familiäre Traditionen und seine Pläne für den neuen Lebensabschnitt.
1 09.09.2026
Spracharbeit
Deutsch klingen: Stimm- und Sprechtechniken für die Arbeit im SprachklubOft trauen sich Teilnehmende in Sprachklubs nicht zu sprechen – nicht wegen mangelnder Grammatikkenntnisse, sondern aus Angst, „falsch zu klingen“ oder aufgrund von Unsicherheiten bei der Aussprache. Wie lässt sich diese Sprachbarriere durch einfache und ansprechende Übungen abbauen, die Stimme befreien und den Teilnehmenden helfen, mühelos und natürlich zu sprechen?
1 09.09.2026
JdR
Sieben Tage auf Deutsch:Das Projekt „Ethnokulturelle Sprachentreffen für Jugendliche 2026“Vom 1. bis 8. August fand in Samara ein ethnokulturelles Sprachtreffen für Jugendliche statt, das Russlanddeutsche aus dem ganzen Land zusammenbrachte, um eine gemeinsame Sprache, Kultur und Erinnerung an ihre Vorfahren zu teilen. Das Projekt wurde vom Jugendring der Russlanddeutschen organisiert.