ESAU Johann Jakowlewitsch (* 12. Juli 1859 in Halbstadt, Gouvernement Taurien; † 14. September 1940 in Davis, Kalifornien, USA), Unternehmer, Ingenieur, Person der Öffentlichkeit, Bürgermeister von Jekaterinoslaw (1905–1909; 1918).
E. wurde in einer mennonitischen Familie, die in bescheidenen Verhältnissen lebte, geboren. Er besuchte eine Dorfschule. Erhielt Anfang der 1870er Jahre das Alexander-Stipendium für den Besuch des Jekaterinoslawer klassischen Gymnasiums, an dem er im Jahr 1879 seinen Abschluss machte. Studierte danach am Rigaer polytechnischen Institut und bekam im Jahr 1884 den Abschluss als Ingenieur-Mechaniker. Um praktische Erfahrungen zu sammeln, arbeitete er zunächst als einfacher Arbeiter bei einer Werft in Sewastopol und später bei der Erdölförderung in Baku. Ab 1887 war er Ingenieur bei der Landmaschinen-Fabrik „Lepp & Wallman“ in Schönwiese (Saporoschje). Zog danach im Jahr 1890 nach Jekaterinoslaw und wurde dort Mitglied einer Mennoniten Gemeinde. 1895 eröffnete er zusammen mit J. J. Esau, G. I. Teows und G. P. Heese die Guss- und Mechanikfabrik zur Herstellung von Landmaschinen „J. J. Esau und Co.“. Im darauffolgenden Jahr wurde das Unternehmen an die belgische Aktiengesellschaft der Jekaterinoslawer Eisenbahn- und Stahlgussfabriken verkauft.Esau erhielt die Position des kaufmännischen Direktors der Fabrik und führte diese berufliche Tätigkeit erfolgreich bis zum Jahr 1902. Die Fabrik war hauptsächlich auf die Herstellung von Fassongüssen aus Siemens-Martin-Stahl spezialisiert. Neben anderer Produktion wurden von diesem Unternehmen auch die Stahl-Maschinenteile für das Panzerschiff „Knjas Potjomkin“ und zwei weitere Kreuzer, „Otschakow“ und „Kagul“, hergestellt.
Vom Beginn des 20. Jahrhunderts an beteiligte sich Esau aktiv am gesellschaftlichen Leben der Stadt. Er wurde für die Wahlperioden 1901–1905 sowie 1909–1917 zum Stadtverordneten in der Jekaterinoslawer Stadtduma gewählt und war 1902–1905 sowie 1909–1917 Mitglied der Stadtverwaltung. Im Jahr 1903 wurde er mit dem Titel eines Erb-Ehrenbürgers ausgezeichnet.Der Höhepunkt seiner Karriere in der Stadtverwaltung war seine Wahl zum Bürgermeister von Jekaterinoslaw im Jahr 1905.
Bei akutem Mangel an finanziellen Mitteln für die Entwicklung der Stadt führte Esau Obligationsdarlehen und die Massenverpfändung von Stadteigentum als gängige Praxis ein. Es gelang ihm unter anderem in Paris einen Kredit in Höhe von fünf Millionen Rubel in Gold zu erhalten. Mithilfe dieser Gelder wurden in Jekaterinoslaw ein neues Wasserleitungssystem, eine Kanalisation, eine zweite Straßenbahnlinie und eine große Anzahl von Pflasterstraßen gebaut, zwei Frauengymnasien sowie zwei Jungenschulen eröffnet und Ausrüstung für einen neuen überdachten Markt erworben. Das Budget der Stadt erhöhte sich unter Esau um das Fünffache.
Nach Ablauf seiner Amtszeit im Jahr 1909 setzte er sein gesellschaftliches Engagement fort und arbeitete viel als Ingenieur. Das Ansehen Esaus als Haushalter und Finanzfachmann war so hoch, dass er mehrere Einladungen erhielt, auch in anderen Städten an den Bürgermeisterwahlen teilzunehmen, so in Charkow (1909), Baku (1913) und Jalta (1914). In den Jahren 1909 und 1913 wurde er zum Stadtvertreter für die Sitzungen des Pädagogischen Rates der 2. städtischen Realschule gewählt. Des Weiteren wurde er 1911 Mitglied des Kuratorium-Rates des 2. städtischen Frauengymnasiums. 1910 leitete er die Direktion der südrussischen Ausstellung zu Landwirtschaft, Industrie und Handwerk, die in Jekaterinoslaw stattfand. Außerdem war er im Jahr 1914 einer der Organisatoren des Kongresses für Industrie und Handel in Odessa. Als Unternehmer und Ingenieur war er 1913–1914 an der Ausarbeitung des Projektes für eine elektrische Eisenbahn entlang der Südküste Krims beteiligt, das von dem Ingenieur S. N. Tschajew entwickelt wurde. Das Projekt wurde in zwei Varianten ausgeführt: Sewastopol–Jalta und Bachtschissaraj–Jalta Kopfbahnen nach Simejis und Aluschta. Als Ingenieur nahm er auch an der Entwicklung mehrerer weiterer Projekte teil: 1909 arbeitete er auf Einladung der Stadt Baku am Bau der örtlichen Wasserleitung, in den Jahren 1912–1913 bereitete er zusammen mit dem Ingenieur L. W. Jurgewitsch ein Projekt für Schleusen an den Dnepr-Stromschnellen vor, im Jahr 1914 entwickelte er zusammen mit dem Ingenieur J. P. Nepokoitschizkij einen Plan für ein System von Unterführungen an der Merefa–Cherson Eisenbahnlinie.
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges nahm er die Einladung von Fürst N. P. Urussow an, sich an der Arbeit des Russischen Roten Kreuzes zu beteiligen. Letzterer war der Oberste Sprecher des Russischen Roten Kreuzes im Gebiet des südlichen Kriegsschauplatzes. Seine Hauptaufgabe bestand darin, die Kranken und Verwundeten von der Südwestlichen, Kaukasischen und Rumänischen Front zu den Lazaretten im Hinterland zu befördern. Zu diesem Zweck organisierte Esau 60 Transporteinheiten und 10 Lazarett-Züge. Aus Sibirien wurden dafür 3000 für die Transporteinheiten benötigte Pferde herbeigeschafft. Außerdem wurden 2 Lazarett-Schiffe für Schiffsverkehr auf dem Schwarzen Meer ausgerüstet. Esau widmete der Organisation der Lazarette und deren Versorgung mit notwendigem medizinischem Material sehr viel Aufmerksamkeit.
Nach dem Oktober 1917 kehrte er nach Jekaterinoslaw zurück. Während der Zeit des Ukrainischen Staates unter Hetman P. Skoropadskyj wurde er im August 1918 erneut zum Bürgermeister von Jekaterinoslaw gewählt. In den schwierigen Zeiten des Bürgerkrieges tat er für seine Stadt sein Möglichstes. Unter anderem gelang es 1918 mit seiner aktiven Hilfe in Jekaterinoslaw eine Universität zu eröffnen. Nach dem Sturz des Hetman-Regimes Ende November 1918 war E. gezwungen seine Heimat zu verlassen und mit seiner Familie zunächst nach Deutschland und später, im Jahr 1922, in die USA zu ziehen. Dort ließ er sich in Reedley (Kalifornien) nieder.
Auszeichnungen: Sankt-Stanislaus-Orden der 3. Klasse (1906), Orden der Heiligen Anna der 3. Klasse (1911), Ehrenzeichen zum 50-jährigen Jubiläum der Landreform (1914), Orden des Heiligen Wladimir der 3. Klasse (1915).
Die Enzyklopädie wurde auf die Initiative der öffentlichen Organisation „Föderale nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“ (FNKA RD) unter aktiver Beteiligung der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erstellt. Das Projekt wurde von den Regierungen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Während der Projektdurchführung wurden Geldmittel verwendet, welche gemäß den Anordnungen des Präsidenten der Russischen Föderation und auf der Grundlage von durchgeführten Wettbewerben der „Nationalen Wohltätigkeitsstiftung“, den allrussischen öffentlichen Organisationen die „Gesellschaft „Wissen“, die „Russische Union der Rektoren“ u.a., in den Jahren 2015–2017 als Zuschüsse zugewiesen wurden.
1 28.06.2026
Jubiläumsjahr
Glückwunsch von Jelisaweta Graf zum 35-jährigen Jubiläum des IVDKHeute, am 28. Juni, feiert der Internationale Verband der deutschen Kultur sein 35-jähriges Bestehen. Die Vorsitzende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur, Jelisaweta Graf, gratuliert der Organisation zu ihrem Jubiläum.
1 26.06.2026
Jubiläumsjahr
„Dieser Austausch bereichert die innere Welt“: Erfahren Sie im dritten Teil die persönlichen Geschichten der Akteure der BewegungIm Vorfeld des 28. Juni – eines symbolträchtigen Datums für die Akteure der gesellschaftlichen Bewegung der Russlanddeutschen – präsentieren wir Ihnen den dritten und zugleich wohl berührendsten Teil des Dokumentarfilms „Kultureller Code ‚RUSSLANDDEUTSCHE‘“, die der Internationale Verband der deutschen Kultur anlässlich seines 35-jährigen Bestehens realisiert hat.
1 24.06.2026
Interview
„Projekte von Jugendlichen für Jugendliche“: Galina Meladse über die Kategorie „EthnoFormat“ des Wettbewerbs „Freunde der deutschen Sprache“Der Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“ bringt seit vielen Jahren Menschen zusammen, die sich für die deutsche Sprache und die Kultur der Russlanddeutschen interessieren. In diesem Jahr steht die Jugendkategorie „EthnoFormat“ besonders im Fokus, in der die Teilnehmer aufgefordert sind, zeitgemäße ethnokulturelle Projekte für ein jugendliches Publikum zu entwickeln.
1 24.06.2026
Jubiläumsjahr
„Kultureller Code „Russlanddeutsche““: Zweiter Teil des Dokumentarfilms erschienenDer Internationale Verband der Deutschen Kultur lädt die Zuschauer erneut dazu ein, Geschichte und Gegenwart der gesellschaftlichen Bewegung der Russlanddeutschen kennenzulernen. Der zweite Teil des Dokumentarfilms „Kultureller Code „Russlanddeutsche““, der zum 35-jährigen Bestehen des Internationalen Verbandes der Deutschen Kultur sowie mehrerer regionaler Organisationen der Russlanddeutschen produziert wurde, richtet den Blick auf die Gegenwart der Gemeinschaft und ihre wichtigsten Tätigkeitsbereiche.
1 23.06.2026
Interview
Behutsamer „Punk“: Sängerin Dascha Wiens im Interview über ihre SelbstsucheZu Gast im Deutsch-Russischen Haus Moskau: Die Singer-Songwriterin Dascha Wiens begeisterte das Publikum mit einem stimmungsvollen Solokonzert. Stilistisch bewegt sich die junge Musikerin zwischen Indie- und „Theater-Pop“. Dabei erobert sie nicht nur die Bühne, sondern auch die Filmwelt. In diesem Jahr untermalte ihr Song den Spielfilm „Tschelowek, kotory smejetsja“ (dt. „Der lachende Mann“) des bekannten Regisseurs Wladimir Kott.
1 23.06.2026
Veranstaltungen
Eröffnung der Wanderaustellung „Deutsche in der russischen Geschichte“ in LjuberzyAm 1. Juli wird im Museums- und Ausstellungskomplex des Stadtkreises Ljuberzy im Moskauer Gebiet die Wanderausstellung „Deutsche in der russischen Geschichte“ eröffnet. Die Ausstellung verbindet klassische Präsentationsformen mit multimedialen Technologien und vermittelt den Besuchern Einblicke in die historische Vergangenheit der Russlanddeutschen, ihre nationalen Bräuche sowie ihre heutige Lebenswirklichkeit.
1 22.06.2026
Spracharbeit
Im Rampenlicht: Webinar über Theater und RusslanddeutscheDie Theaterkunst ist ein vielschichtiges kulturelles Phänomen. Sie unterhält das Publikum nicht nur, sondern spiegelt auch die Weltanschauung eines Volkes wider, dient als Instrument der kulturellen Bildung und als Medium zur Weitergabe von Traditionen. Über das Theater der Russlanddeutschen und Russlanddeutsche auf der Bühne informiert ein Webinar am Sonntag, das von Natalja Koslowa geleitet wird.
1 22.06.2026
IVDK
Festlicher Gala-Abend bringt Teilnehmer und Gäste des Forums-Festivals der Russlanddeutschen zusammenDen krönenden Abschluss des Forum-Festivals der Russlanddeutschen in Samara bildete eine fulminante Gala-Show. Sie brachte talentierte Ensembles sowie Kulturschaffende aus den verschiedensten Regionen des Landes auf einer Bühne zusammen. Das anspruchsvolle Konzertprogramm spiegelte die lebendige Vielfalt der Kulturtraditionen der Russlanddeutschen wider. Es setzte damit einen symbolischen Schlusspunkt hinter die ereignisreichen und intensiven Festivaltage.
1 22.06.2026
Jubiläumsjahr
Eine wahre Zeitreise in die Geschichte des Verbandes: Wir präsentieren der erste Teil des DokumentarfilmsDas Jahr 2026 ist für die Gemeinschaft der Russlanddeutschen von besonderen Jubiläen geprägt: 35 Jahre seit der Gründung des Deutschen Nationalrajons der Region Altai, 35 Jahre seit der Entstehung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur sowie mehrerer regionaler Organisationen der Russlanddeutschen. Der IVDK bereitete einen mit dem Jubiläum der Organisation verknüpften Dokumentarfilm „Kulturkode „RUSSLANDDEUTSCHE“: 35 Jahre Bewegung“ über den Weg vor, den unsere gesellschaftliche Bewegung in mehr als drei Jahrzehnten zurückgelegt hat.
1 18.06.2026
IVDK
Vom Dialog zum glanzvollen Schlusspunkt: Das erfolgreiche Finale des Forum-Festivals in SamaraDer Abschlusstag des Forum-Festivals der Russlanddeutschen bot eine gelungene Synthese aus fachlichem Expertendialog, der feierlichen Kinopremiere eines Dokumentarfilms und einer großen Gala-Show. Im Fokus der Diskussionen standen drängende Fragen rund um den Erhalt der deutschen Sprache, der Kultur sowie des historischen Gedächtnisses. Den krönenden Schlusspunkt hinter das gesamte Forum setzte ein farbenfrohes Konzertprogramm, das zu einem starken Symbol für Einheit und die enge Verbindung zwischen den Generationen wurde.