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ARTIKEL
LEMM Oskar Eduardowitsch (1856–1918), Begründer der russischen Koptologie, der sich der Herausgabe und Neuauflage koptischer Texte sowie der Untersuchung lexikalischer und grammatikalischer Besonderheiten der koptischen Sprache widmete

LEMM, Oskar Eduardowitsch (Oscar Lieberecht) oder Oscar (Lieberecht) von Lemm (17. 09. 1856, St. Petersburg. – 3. 06. 1918, Petrograd), Begründer der russischen Koptologie, der sich der Herausgabe und Neuauflage koptischer Texte sowie der Untersuchung lexikalischer und grammatikalischer Besonderheiten der koptischen Sprache widmete. Er wurde in der Familie der zur evangelischen Kirche gehörenden Ostseedeutschen geboren. Absolvierte das Alexandrowskij-Lyzeum (1871–1877), studierte einige Jahre (1877–1882) in Deutschland (Leipzig und Berlin) orientalische Sprachen mit Hauptakzent auf Ägyptologie (seine Lehrer waren solche Koryphäen wie Georg Ebers und Richard Lepsius) und Semitologie (Assyriologie) bei Friedrich Delitsch, Äphiopistik bei August Dillmann und promovierte 1882 in Leipzig mit der dem Ammon-Kult gewidmeten Doktorarbeit. Einige Jahre später, als er sich bereits auf die Forschung der Kopten konzentrierte, leistete er einen weiteren Beitrag zur Ägyptologie, indem er mit einer Widmung an Georg Ebers ein Lesebuch altägyptischer Texte herausgab, das für lange Jahre nicht nur für Studierende ein kaum zu überschätzendes Lehrmittel bildete.

1883 wurde er als wissenschaftlicher Konservator ins Asien-Museum (heute Institut für orientalische Manuskripte der Russischen Akademie der Wissenschaften) aufgenommen und bleib in diesem Posten (später als wissenschaftlicher Oberkonservator) bis zu seinem Lebensende. 1887–1892 unterrichtete er, zuerst als Privatdozent und später als außerordentlicher Professor, an der Petersburger Universität an der Fakultät für orientalische Sprachen „Ägyptologie, koptische Sprache und sogar Assyriologie“, laut Angabe von B. A. Turajew, der damals sein Student war. 1906 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Akademie der Wissenschaften gewählt. Alle seine Werke, unter Ausnahme eines einzigen Werkes, nämlich der „Koptischen Sage über die Entdeckung des Grabes Christi“ (1889) hat Lemm in deutscher Sprache geschrieben.

Seit den ersten Tagen seines Dienstes am Asien-Museum beginnt er mit der Untersuchung koptischer Manuskripte, die sich in verschiedenen Manuskriptsammlungen von St. Petersburg befanden, und unternimmt bereits zwei Jahre später (1885) die Herausgabe der Bruchstücke der sahidischen Bibelübersetzung, die 1853 in die Öffentliche Bibliothek nach der 3. Expedition von K. Tischendorf gelangten. Etwas später werden zum Gegenstand seiner Forschung sahidische Fragmente der apokryphen Taten von Aposteln Bartholomäus, Philipp, Andreas, Peter und Paulus aus den Anschaffungen von Tischendorf (1890) und Golenischtschew (1892); die Manuskripte selbst, die er ebenfalls musterhaft herausgab und damit die Palette der verleugneten frühchristlichen Literatur wesentlich erweiterte, werden seit 1909 im Staatlichen Museum der Künste „A. S. Puschkin“ aufbewahrt. Ferner gehören zur gleichen Reihe die Neuauflage der Fragmente einer Sage über Cyprian von Antiochien (1899) und die Herausgabe einer bis dahin unbekannten Sage über Dionysius Areopagita (1900) sowie eine musterhafte, mit Kommentaren versehene Ausgabe (1913) der Fragmente koptischer Märtyrergeschichten (Theodor vom Osten, Herakleides etc.), für die nicht nur die Manuskripte aus der Sammlung Golenischtschews, sondern auch eine ganze Reihe der Fragmente aus den Manuskriptsammlungen Europas (Paris, London, Neapel) verwendet wurden, welche von Lemm teils in situ abgeschrieben und teils anhand der von westlichen Kollegen eingesandten Fotos untersucht wurden. Bis heute gilt die Ausgabe aus dem Jahr 1903, für die Lemm Fotos verwendete, welche er aus den Manuskriptsammlungen aus Paris, Berlin und London erhielt, als einzige Ausgabe aller zu ein und demselben Manuskript gehörenden Fragmente des koptischen „Alexanderromans“; die Ausgabe ist mit einem ausführlichen Kommentar sowohl philologischen, als auch kulturhistorischen Charakters versehen. Im gleichen Jahr erschien auch eine Ausgabe des Poems „Das Triadon“ (13.–14. Jh.), des letzten Literaturwerks im sahidischen Dialekt; dessen Manuskript von Lemm bereits 1896 in Neapel abgeschrieben wurde; das Poem wurde in damals bereits toter Sprache abgefasst, so dass es vom Verfasser zum Verständnis mit arabischer Übersetzung versehen wurde. Die für Band 2 vorgesehenen Kommentare und deutsche Übersetzung wurden von Lemm nie realisiert. Die Liste der von Lemm vorgenommenen Ausgaben koptischer Texte schöpft sich durch oben genannte Angaben bei weitem nicht aus. Viele Materialien, die von ihm während der Arbeit in den Manuskriptsammlungen von Rom, Neapel, Paris, Berlin gesammelt wurden, sind nur in Skizzenform erhalten geblieben (z. B. „Märtyrergeschichte des Hl. Viktor“).

Bis heute gelten für Koptologen als eine echte Fundgrube „Kleine koptische Studien“ und „Koptische Miszellen“, die von Lemm im Laufe der anderthalb Jahrzehnte (von 1899–1912 bis 1907–1915) regelmäßig veröffentlicht wurden; dabei geht es um eine Reihe größerer und kleinerer Notizen (insgesamt über 200) zu verschiedenen Fragen der koptischen Philologie, wo sich der Verfasser nicht nur als ein feiner Kenner koptischer Texte zeigte, sondern auch seine bewundernswerte Kompetenz in verschiedenen Bereichen ostchristlicher Kulturen offenbarte.

War verheiratet mit Elena Brock, hatte fünf Kinder.

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ÜBER DIE ENZYKLOPÄDIE

Die Enzyklopädie wurde auf die Initiative der öffentlichen Organisation „Föderale nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“ (FNKA RD) unter aktiver Beteiligung der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erstellt. Das Projekt wurde von den Regierungen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Während der Projektdurchführung wurden Geldmittel verwendet, welche gemäß den Anordnungen des Präsidenten der Russischen Föderation und auf der Grundlage von durchgeführten Wettbewerben der „Nationalen Wohltätigkeitsstiftung“, den allrussischen öffentlichen Organisationen die „Gesellschaft „Wissen“, die „Russische Union der Rektoren“ u.a., in den Jahren 2015–2017 als Zuschüsse zugewiesen wurden.

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NACHRICHTEN
RUSDEUTSCH
  • 1 08.05.2026

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    „Ich möchte bei allem zum Kern der Sache vordringen“: Offenes Treffen über die Harmonie von Sprache und Körper

    Am 15. Mai findet im Deutsch-Russischen Haus in Omsk ein offenes Treffen statt, bei der eine harmonische Verschmelzung der Künste präsentiert wird. Moderiert wird sie von „dem Tänzer der Worte“ – so wird Arnold Rainik in Perm genannt, Preisträger russischer und internationaler Wettbewerbe, künstlerischer Leiter und Choreograf des Autorentanztheaters „Lallen“.

  • 1 07.05.2026

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  • 1 04.05.2026

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    Am 7. Mai wird den Gästen des Kultur- und Geschäftszentrums der Stadt Kaliningrad ein einzigartiges Phänomen der Kunstgeschichte vorgestellt – der Lebens- und Schaffensweg der Meister aus der Dynastie der Maniser. Referentin des offenen Treffens ist die Kunstvermittlerin, Künstlerin und Kunsthistorikerin, Kuratorin des Festivals für zeitgenössische Kirchenkunst „Sehen und Hören“ sowie Forscherin zum Schaffen der Künstler der Russlanddeutschen Darja Woronina.

  • 1 30.04.2026

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    Am 30. April findet in Tomsk ein offenes Treffen mit Alexander Heier, dem Direktor des Deutsch-Russischen Hauses in Tomsk, statt. Die Teilnehmer erfahren mehr über das Schicksal des Schriftstellers Gerhard Sawatzky, seinen Roman und die Rolle der deutschen Sprache bei der Bewahrung des historischen Gedächtnisses der Russlanddeutschen.

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    Am 27. April fiel der Startschuss für den 10. gesamtrussischen Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“. In diesem Jahr feiert das Projekt sein Jubiläum und bringt weiterhin Teilnehmer aus dem ganzen Land zusammen, wobei sechs thematische Kategorien für verschiedene Altersgruppen angeboten werden.

  • 1 29.04.2026

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    Deutsches Jekaterinburg: Offenes Treffen über Geschichte der deutschen Gemeinde auf dem Stadtplan

    In Jekaterinburg findet ein offenes Treffen mit der Kandidatin der Kulturwissenschaften Jekaterina Kaluschnikowa statt, das der Geschichte der deutschen Gemeinde gewidmet ist. Die Teilnehmer erfahren, welche Rolle die Deutschen bei der Entstehung der Stadt gespielt haben – von der Industrie bis hin zu Bildung und Wissenschaft.

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  • 1 27.04.2026

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  • 1 25.04.2026

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