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Benckendorff Alexander Konstantinowitsch (1849–1916), Graf, Diplomat

BENCKENDORFF, Alexander Konstantinowitsch (Alexander Philipp Konstantin Ludwig Graf von Benckendoff), * 20. Juli (1. August) 1849 in Berlin, † 29. Dezember 1916 (11. Januar 1917) in London.  Diplomat und Hofmeister (ab 1903). Sohn des 1932 in den Grafenstand erhobenen Neffen von Graf A.Ch. Benckendorff, General-Adjutanten und Diplomaten Konstantin Konstantinowitsch Benckendorff (1817–1858) und der Prinzessin Louise de Croÿ (1825–1890) sowie Bruder von P.K. Benckendorff. Benckendorff war ursprünglich Mitglied der protestantischen Kirche, konvertierte später aber zum Katholizismus.

Am 6. Februar 1868 trat Benckendorff seinen Dienst im Innenministerium an und wurde an die Russische Diplomatische Mission in Florenz und anschließend in Rom berufen. Von 1871 an war er Kammerjunker, von 1883 an Zeremonienmeister und von 1899 an Hofmeister. 1876 schied er aus dem Dienst und verbrachte etwa zehn Jahre auf seinen Besitzungen, in St. Petersburg und im Ausland. 1886 kehrte er in den diplomatischen Dienst zurück und wurde zum Ersten Sekretär der Russischen Botschaft in Rom ernannt. Von 1893 an war er Botschaftsrat und 1895 vorübergehend Geschäftsträger der russischen Botschaft in Wien (Österreich-Ungarn). Am 4. Februar 1897 wurde er zum Sonderbotschafter und Bevollmächtigten des Ministers in Kopenhagen (Dänemark) ernannt, was ein sehr wichtiger Karriereposten war, da der Russische Hof dem Dänischen Hof durch enge verwandtschaftliche Beziehungen verbunden war (Nikolai II. war der Sohn einer dänischen Prinzessin) und Vertreter der Zarenfamilie Dänemark oft besuchten. Benckendorff gehörte zur engsten Umgebung des Zaren Nikolai II. und genoss dessen persönliches Vertrauen. Zur Zeit seines Dienstes in Kopenhagen wurde er auch eng mit dem britischen König Eduard VII. (der mit einer dänischen Prinzessin verheiratet war) und anderen Mitgliedern der Königsfamilie bekannt.

Am 30. August 1902 wurde Benckendorff, der als überzeugter Anglophiler galt, zum Bevollmächtigten Sonderbotschafter in London ernannt, wo er weitreichende Kontakte in der höheren britischen Gesellschaft und am Königshof aufbaute, den Unterricht der russischen Sprache in englischen Lehranstalten förderte und den Posten eines Ehrenpräsidenten der Russisch-Britischen Handelskammer ausübte. Nach Aussagen von Zeitgenossen sprach Benckendorff, der einen Großteil seines Lebens im Ausland verbrachte, zeit seines Lebens nur schlecht Russisch, weswegen er seine Berichte an das Außenministerium auf persönliche Weisung Nikolais II. in französischer Sprache verfassen durfte.

Zur Zeit des Russisch-Japanischen Kriegs von 1904-05 trat Benckendorff für einen schnellen Friedensschluss mit Japan ein und wandte sich nach dem Treffen Zar Nikolais II. mit dem deutschen Kaiser Wilhelm II. in Björkö im Juli 1905 mit einem Schreiben an die Zaringattin Maria Fjodorowna, in dem er auf die von einer russisch-deutschen Annäherung ausgehende Gefahr hinwies, dass Großbritannien, Frankreich und Japan ein womöglich auch von den USA unterstütztes antirussisches Bündnis bilden könnten, was für das Russische Reich eine Katastrophe darstelle. Später trat er für Reformen der staatlichen Ordnung ein, als deren Idealform er eine konstitutionelle Monarchie nach britischem Vorbild ansah.

In den Jahren 1903 und 1907 nahm Benckendorff an den britisch-russischen Verhandlungen über die von den beiden Mächten in Mittelasien verfolgte Politik teil. Er spielte eine wichtige Rolle bei der Ausarbeitung und Verabschiedung des Petersburger Vertrags vom 18. (31.) August 1907, der einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Triple Entente markierte. Im Dezember 1912 war Benckendorff aktiv an der Arbeit der Londoner Botschafterkonferenz beteiligt, auf der die Bedingungen der Beendigung des Ersten Balkankriegs (1912-13) verhandelt wurden. Während des Ersten Weltkriegs betrieb er intensive diplomatische Arbeit und setzte seine Unterschrift unter zahlreiche Vereinbarungen mit den anderen kriegführenden Staaten. So unterzeichnete er im Namen Russlands den Londoner Vertrag vom 3. (16.) April 1915 (in dem Russland, Frankreich, Italien und Großbritannien die Bedingungen eines italienischen Kriegseintritts regelten), sowie die Deklarationen vom 23. August (3. September) 1914 und vom 17. (30.) November 1916, in denen sich Russland, Großbritannien und Frankreich bzw. Russland, Großbritannien, Frankreich, Japan und Italien jeweils verpflichteten, keinen Separatfrieden abzuschließen.

Große Bedeutung hatten die von Benckendorff mit Großbritannien abgeschlossenen Abkommen über die Ergreifung von Maßnahmen zur Sicherstellung der Lieferung militärischer Güter bzw. Weiterleitung US-amerikanischer Lieferungen nach Russland (1916). Benckendorff starb als eines der ersten in London zu verzeichnenden Opfer an der Spanischen Grippe und wurde seinem Wunsch entsprechend in der Krypta der katholischen Londoner Westminster Cathedral beigesetzt, was angesichts der durch den Krieg erschwerten Kommunikationswege einige Probleme hervorrief, da es sich als unmöglich erwies, eine entsprechende Zustimmung aus Russland zu bekommen, und die Erlaubnis aus Rom erst nach großen Anstrengungen eintraf.

Benckendorff war mit allen russischen Orden bis einschließlich des Ordens des Hl. Alexander Newski mit Brillanten ausgezeichnet. Im Einzelnen wurden ihm der Alexander Newski-Orden (1913), der Weißadlerorden (1909), der Orden des Hl. Wladimir 2. Stufe (1905), der Orden der Hl. Anna 1. Stufe (1902), der Orden des Hl. Stanislaw 1. Stufe (1898) sowie das Ehrenabzeichen für 40 Jahre makellosen Dienst und zahlreiche ausländische Auszeichnungen verliehen.

1879 heiratete Benckendorff Gräfin Sophia (* 16. Oktober 1857, † 28. Mai 1928), die Tochter des Petersburger Adelsmarschalls Graf Pjotr Pawlowitsch Schuwalow (1819-1900). Während des Ersten Weltkriegs stand sie dem Hilfsfonds für Kriegsgefangene und russische Staatsbürger in Großbritannien vor.

Kinder:

Konstantin (* 15. September 1880, † 25. September 1959), Leutnant der Flotte (1913); Teilnehmer des Russisch-Japanischen Kriegs und des Ersten Weltkriegs; 1916 Oberartillerist des Schlachtschiffs „Poltawa“. 1919 zum Dienst einberufen und an die Operative Führung des Flottenstabs der Rote Bauern- und Arbeiter-Flotte entsandt, mehrfach verhaftet. Emigrierte 1924 nach Großbritannien, wo er als professioneller Flötist auftrat;

Pjotr (* 19. Januar 1882, † 27. Mai 1915), Rittmeister der Leibgarde des Kavallerieregiments, fiel im Kampf auf dem Gebiet des Baltikums;

Natalia Luisa (* 20. Mai 1886, † 14. März 1968), heiratete 1911 den Juristen und Bankier Jasper Nicholas Ridley (1887–1951), Sohn des britischen Innenministers Viscount Matthew Ridley.

 

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ÜBER DIE ENZYKLOPÄDIE

Die Enzyklopädie wurde auf die Initiative der öffentlichen Organisation „Föderale nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“ (FNKA RD) unter aktiver Beteiligung der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erstellt. Das Projekt wurde von den Regierungen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Während der Projektdurchführung wurden Geldmittel verwendet, welche gemäß den Anordnungen des Präsidenten der Russischen Föderation und auf der Grundlage von durchgeführten Wettbewerben der „Nationalen Wohltätigkeitsstiftung“, den allrussischen öffentlichen Organisationen die „Gesellschaft „Wissen“, die „Russische Union der Rektoren“ u.a., in den Jahren 2015–2017 als Zuschüsse zugewiesen wurden.

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