MESSERSCHMIDT DANIEL GOTTLIEB (16.09.1685, Danzig – 25.03.1735, St. Petersburg), Wissenschaftler-Enzyklopädist, Doktor der Medizin, Reisender, erster Erforscher Sibiriens, Entdecker der natürlichen Ressourcen Sibiriens und der Kultur der dort lebenden Völker.
Das jüngste Kind der Familie. Vater war Andreas Messerschmidt (1644–1725), Sohn eines lutherischen Pfarrers, bekleidete zu dieser Zeit die Position des obersten Schiffsinspektors. Mutter war Elisabetha Matthisia (gestorben 1692). Daniel Gottliebs Ausbildung begann im Alter von drei Jahren bei einem Hauslehrer. Im September 1691 trat er in die Mariinski-Grundschule ein, wo der Schwerpunkt auf dem Lateinunterricht lag. Am 4. Oktober 1706 immatrikulierte sich Messerschmidt als Medizinstudent an der Universität Jena. Im Frühjahr 1708 verließ er Jena und zog nach Halle, um sein Medizinstudium fortzusetzen (am 22. Juni 1708 wurde er immatrikuliert). Im Mai 1713 fand eine öffentliche Verteidigung der Dissertation zum Thema „De ratione præside universæ medicinæ“ („Über die Vernunft als herrschendes Prinzip aller Medizin“) statt. Dies ist die einzige wissenschaftliche Arbeit von Daniel Messerschmidt, die zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurde (1713). Von Messerschmidt gibt es keine Bilder, bekannt ist lediglich, dass er „von schwacher Konstitution“ war.
Auf Empfehlung von Freund und Förderer Botaniker Johann Philipp Breine wurde Messerschmidt von Peter I. in den russischen Dienst berufen. Messerschmidts Abreise von Danzig nach St. Petersburg erfolgte am 19. Februar 1718, am 9. April verließ er Riga. Das genaue Datum von Messerschmidts Ankunft in St. Petersburg ist unbekannt.
Am 15. November 1718 erließ Peter I. ein Dekret, mit dem Messerschmidt nach Sibirien geschickt wurde, „um allerlei Raritäten und pharmazeutische Artikel, Kräuter, Blumen, Wurzeln und Samen und andere Gegenstände im Zusammenhang mit medizinischen Zusammensetzungen zu finden“, und über die Verpflichtung des Wissenschaftlers, alle Berichte und Sammlungen „nach St. Petersburg in die Hauptapotheke“ zu schicken. Von St. Petersburg führte der Weg des Wissenschaftlers über Nowgorod, Waldai, Twer nach Moskau und weiter nach Sibirien.
Messerschmidt verbrachte den Sommer 1719 in Moskau und reiste am 5. September als Teil der chinesischen Botschaft von L. V. Ismailow, die auf dem Weg nach Peking war, nach Tobolsk ab. Er kam am 24. Dezember 1719 in Tobolsk an, wo er über ein Jahr lebte und eine Fülle von Material über die Natur und Kultur der Region sammelte. Während seines Aufenthalts in Tobolsk vom 1. Februar bis 15. Juni 1720 beteiligte sich Messerschmidt als Arzt an der Rekrutierung: Er untersuchte mehr als 150 Personen und gab ein Gutachten über ihre Wehrdiensttauglichkeit ab.
Die Schwierigkeit der bevorstehenden Veranstaltung lag für Messerschmidt größtenteils an seinen mangelnden Kenntnissen der russischen Sprache. Seine Assistenten waren zunächst Soldaten des Kommissariats der sibirischen Provinz – Dragoner der Tobolsker Garnison A. Werschinin und J. Newotschikow, der mit Messerschmidt aus St. Petersburg abgereist war und ihn im Falle einer Gefahr auch unterwegs beschützen konnte. Auf seinen ersten Reisen in die Siedlungen Tobolsk und Issetsk im Jahr 1720 wurde er von „dem Jungen Berent Johann Schitz zur Kräutersuche“ begleitet. Bei der Umsetzung seiner wissenschaftlichen Projekte erhielt der Wissenschaftler große Unterstützung von gefangenen schwedischen Offizieren, die sich in Tobolsk befanden. Philipp Johann Tabbert (später Strahlenberg) erlangte größte Bekanntheit durch seine Arbeiten zur Erforschung Sibiriens.
Am 15. Juni 1720 erhielt Messerschmidt eine Reisegenehmigung für die Reise von Tobolsk zur Siedlung Jalutorowskaja und zurück. Am 30. Dezember 1720 kehrte Messerschmidt von Issetsk nach Tobolsk zurück, von wo aus er in die „unteren“ Städte Sibiriens – Tara, Tomsk, Jenisseisk und Irkutsk – reiste. Am 1. März 1721 verließ die Expedition Tobolsk.
Messerschmidts Expedition dauerte acht Jahre, vom 1. März 1719 bis zum 18. März 1727. Tausende von Kilometern wurden unter unglaublich schwierigen Bedingungen zurückgelegt. Im Norden erreichte Messerschmidt Mangaseja (das heutige Turuchansk) und im Osten die chinesisch-mongolische Grenze.
Messerschmidt schickte Expeditionsberichte an die Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg, und nach seiner Rückkehr in die Hauptstadt wurde die reichste Sammlung natürlicher Ressourcen voller Raritäten direkt an die Kunstkammer übergeben. Unter den handschriftlichen Materialien sticht „Sibiria perlustrata“ („Beschreibung Sibiriens“) hervor – das erste enzyklopädische Werk über Sibirien. Darin systematisierte und fasste der Autor die Ergebnisse seiner Forschungen zusammen, nahm alles auf, was er auf dem Gebiet der Mineralien-, Pflanzen- und Tierwelt für bemerkenswert hielt, zeichnete sprachliche und historische Informationen auf und fertigte Skizzen von Kulturdenkmälern an. Obwohl Messerschmidts Werk nie in seiner Gesamtheit veröffentlicht wurde, diente das von ihm entwickelte System seinen Anhängern als methodischer Leitfaden für ihre Arbeit, und die Sammlungen und Ikonographien von Naturobjekten und historischen Artefakten dienten den Teilnehmern aller akademischen Expeditionen im 18. Jahrhundert als Vorbild.
Die komplizierten Beziehungen zur Akademie der Wissenschaften nach der Rückkehr des Wissenschaftlers nach St. Petersburg im Jahr 1727 erlaubten es Messerschmidt nicht, seine Sammlungen weiterzuverarbeiten. Aufgrund des Verbots, die Ergebnisse der Expedition in Europa zu veröffentlichen, erblickten viele seiner Werke nie das Licht der Welt, mit Ausnahme der Veröffentlichungen seiner Expeditionskollegen. Beim Brand der Kunstkammer im Jahr 1747 gingen die meisten naturhistorischen Sammlungen Messerschmidts verloren. Glücklicherweise blieben die Manuskripte vom Brand verschont.
Am 16. September 1728 verließ Messerschmidt St. Petersburg. Am 27. Oktober sank das Schiff, auf dem er unterwegs war, auf dem Weg nach Danzig in der Nähe von Pillau. Der Wissenschaftler verlor alle seine Bücher, Manuskripte, naturwissenschaftlichen Sammlungen, Raritäten und seinen gesamten Besitz. Im September 1732 kehrte der Wissenschaftler nach St. Petersburg zurück.
Die St. Petersburger Zweigstelle des Archivs der Russischen Akademie der Wissenschaften enthält die meisten Manuskripte von D. G. Messerschmidt. Das Archiv enthält die persönliche Sammlung des Wissenschaftlers (F. 98), bestehend aus zwei Inventaren: „Materialien der Expedition nach Sibirien“ und „Kartografische Materialien der Expedition von D. G. Messerschmidt“.
Die Enzyklopädie wurde auf die Initiative der öffentlichen Organisation „Föderale nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“ (FNKA RD) unter aktiver Beteiligung der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erstellt. Das Projekt wurde von den Regierungen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Während der Projektdurchführung wurden Geldmittel verwendet, welche gemäß den Anordnungen des Präsidenten der Russischen Föderation und auf der Grundlage von durchgeführten Wettbewerben der „Nationalen Wohltätigkeitsstiftung“, den allrussischen öffentlichen Organisationen die „Gesellschaft „Wissen“, die „Russische Union der Rektoren“ u.a., in den Jahren 2015–2017 als Zuschüsse zugewiesen wurden.
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