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BERENSTAMM William Ludwigowitsch (1839–1904). Politker, Pädagoge

Rubrik: Biographische Beiträge (Personalien) / Vertreter des sozialen Bereichs (Bildung, Medizin)

BERENSTAMM, William Ludwigowitsch (Pseudonyme: Welina, Stary Hromadin), * 19. November 1839 in Kiew, † 10. November 1904 in Kiew. Figur des öffentlichen Lebens, Pädagoge, Staatsrat. Sohn eines ursprünglich aus Kurland stammenden Adligen aus dem Gouvernement Poltawa. Nach Abschluss der Historisch-Philologischen Fakultät der Universität Kiew (1862) unterrichtete Berenstamm zunächst an verschiedenen mittleren Lehranstalten in Kiew und Kamenez-Podolski und war von Herbst 1868 an als Geographielehrer am Kiewer Militärgymnasium tätig. Er arbeitete mit der Südwest-Abteilung der Russischen Geographischen Gesellschaft zusammen und schrieb für die Zeitung „Kiewer Telegraph“. In den 1870er Jahren gehörte Berenstamm zu den führenden Mitgliedern der „Alten Hromada“, der angesehensten der sogenannten Hromady, bei denen es sich um ein Netz geheimer Untergrundgesellschaften der ukrainischen Intelligenz handelte, die Kultur und Bildungsarbeit betrieben. In den Jahren 1875-76 beteiligte er sich zudem an der Ausbildung von Freiwilligenkontingenten, die zur Unterstützung der Aufständischen gegen die türkische Herrschaft nach Bosnien und Herzegowina geschickt wurden. Anfang 1879 wurde er zum Abgeordneten der Kiewer Stadtduma gewählt, im gleichen Jahr aber nach dem auf höchsten Befehl erfolgten Verbot der „Alten Hromada“ nach Pskow ausgewiesen.

Von Herbst 1880 an lebte er in St. Petersburg, wo er am 1. Militärgymnasium und am Lehrerinstitut unterrichtete und sich an der Arbeit des Literaturfonds beteiligte. Er war mit den Historikern N.I. Kostomarow und N.I. Karejew sowie mit dem Literaturwissenschaftler A.N. Pypin befreundet. Zusammen mit Karejew stellte er eine Lektüreliste für allgemeine Geschichte zusammen. Er war einer der Initiatoren der Gründung der T.G Schewtschenko-Gesellschaft und anderer in St. Petersburg tätiger ukrainischer Wohltätigkeitsorganisationen. Darüber hinaus stellte er einen Sammelband der Gedichte Schewtschenkos zusammen („Kobsar“), den er in den Jahren 1883–84 in zwei Auflagen herausgab.

1898 kehrte Berenstamm nach Kiew zurück, wo er in die Kiewer „Alphabetisierungs-Gesellschaft“ gewählt wurde und an der Gründung des Kiewer Museums für Altertümer und Künste beteiligt war. Von 1901 an war er Mitglied des Rats (Rada) der Allukrainischen Organisation (im Sommer 1897 gegründete illegale Dachorganisation der ukrainischen Hromady).

Berenstamms Söhne Wladimir (1879–1920) und Michail waren als Anwälte tätig.

Veröffentlichungen

Воспоминания о последних годах жизни Н.И. Костомарова, «Киевская старина», 1885, кн. 6.

Literatur

В.Л. Беренштам [Некролог], «Киевская старина», 1904, № 12; Памяти В.Л. Беренштама, Киев, 1906.

Autoren: Troickij N.

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