LANGE, Otto (Oktawi Konstantinowitsch), * 2. März 1883 im Dorf Karabtschijewzy (Bezirk Uschiza, Gouvernement Podolsk), † 3. Dezember 1975 in Moskau. Hydro- und Baugeologe, Professor der Moskauer Staatlichen Universität (1926), Mitglied der Akademie der Wissenschaften der Usbekischen SSR (1935), Verdienter Wissenschaftler der Usbekischen SSR (1936), Doktor der Geologisch-Mineralogischen Wissenschaften (1940).
Langes Großvater Karl Lange (*1824, †1889) stammte aus Obersachsen. Sein Vater Karl Adolf Lange arbeitete nach Abschluss des Rigaer Polytechnikums als Spezialist für die Reparatur und Umrüstung von Mühlen im Dorf Karabtschijewzy, seine Mutter Carolina Scarpatetti war Italienerin. Von 1897 an lebte die Familie in Kamenez-Podolski (Gouvernement Podolsk).
Nach Abschluss des Gymnasiums in Kamenez-Podolski (1903) studierte Lange an der Naturwissenschaftlichen Abteilung der Physikalisch-Mathematischen Fakultät zunächst der Neurussischen Universität in Odessa (1903-06) und dann der Kaiserlichen Universität Moskau (1907-10) unter anderem bei Dmitri Anutschin, Wladimir Wernadski und Alexei Pawlow. Nach Abschluss der Universität blieb er bei Pawlow, um sich auf die Professorenlaufbahn vorzubereiten. In den Jahren 1912-14 war er zunächst außerplanmäßiger Assistent und in den Jahren 1914-19 Oberassistent am Lehrstuhl für Geologie. Nach Erhalt des Magistergrades der Geologie und Mineralogie hielt er von 1916 an Kurse zur „Praktischen Geologie“ und zur „Hydrogeologie“. In den Jahren 1919-24 war er Kustos des Geologischen Museums, von 1924 an Dozent und von 1926 an Professor der Staatlichen Universität Moskau (MGU). Parallel war er in den Jahren 1919-22 Wissenschaftlicher Sekretär der Physikalisch-Mathematischen Fakultät. In den Jahren 1916-24 leitete er den Bereich Hydrogeologie und von 1920 an parallel auch die Abteilung für Bodenmelioration des Volkskommissariats für Landwirtschaft. 1920 baute er den Lehrstuhl für Hydrogeologie der Moskauer Bergakademie auf, den er bis 1922 leitete. In den Jahren 1922-24 war er als Mitglied des Rektorats der Staatlichen Universität Moskau für Verwaltungs- und Organisationsfragen zuständig.
Von 1924 an arbeitete Lange auch in Mittelasien, wo er unter anderem als Leiter der Abteilung für Hydrogeologie der Wasserwirtschaftsverwaltung Turkestans in Taschkent und Mitglied des Expertenrats für den Bau des Tagtabazar-Staudamms tätig war. Darüber hinaus gehörte er zu den Mitbegründern des Usbekischen Wissenschaftskomitees, aus dem später die Akademie der Wissenschaften der Usbekischen SSR hervorging.
Von Herbst 1933 an war Lange Professor am Lehrstuhl für Geologie der Fakultät für Bodengeographie und von 1940 an am Lehrstuhl für Geologie der Fakultät für Bodengeologie der Staatlichen Universität Moskau. Nach Ausbruch des Deutsch-Sowjetischen Kriegs wurde er nach Taschkent evakuiert, wo er in den Jahren 1942-43 zunächst Dekan der Bergbau-Fakultät des Zentralasiatischen Polytechnischen Instituts und anschließend Leiter des Lehrstuhls für Dynamische Geologie der Zentralasiatischen Universität war. 1943 kehrte er nach Moskau zurück, wo er in den Jahren 1943-53 in gleicher Funktion an der Universität Moskau tätig war und Kurse zur allgemeinen und praktischen Baugeologie, zur Hydrogeologie sowie zu den Grundwassern der UdSSR hielt. Parallel arbeitete er in den Jahren 1947-55 am F.P. Sawarenski-Labor für Hydrogeologische Fragen der Akademie der Wissenschaften der UdSSR. Lange war Mitbegründer und Leiter mehrerer Lehrstühle an der Moskauer Bergakademie, am Moskauer Hydrometeorologischen Institut, am Zentralasiatischen Institut für Geologische Exploration sowie an der Zentralasiatischen Universität in Taschkent und der Universität Moskau.
Lange leistete einen erheblichen Beitrag zur Entwicklung der Hydro- und Baugeologie, der allgemeinen Wissenschaftsforschung und zur Geschichte der Hydrogeologie. Seine wissenschaftliche Tätigkeit begann er mit einer Reihe von paläontologisch-stratigraphischen (ab 1909) und hygrogeologischen (1915-17) Feldforschungen. Seine Erforschung der kreidezeitlichen Ablagerungen auf der Krim (1909) stand am Beginn einer längeren Beschäftigung mit der Stratigraphie der Oberkreidezeit. In den Jahren 1910-14 führte er unter der Leitung Andrei Archangelskis geologische Explorationen zur geologisch-mineralogischen und paläontologischen Beschreibung Zentralrusslands (Gouvernements Pensa, Nischni Nowgorod, Tambow, Moskau, Kasan, Saratow, Kaluga) sowie Sibiriens durch. 1914 nahm er an Alexander Tschernows Altai-Expedition teil. In den Jahren 1915-17 betrieb er hydrologische und geologische Studien in Bessarabien und den Gouvernements Charkow und Wologda. Er erstellte das erste Schema der Grundwasserleiter Bessarabiens und bestimmte eine neue Belemniten-Art [fossile Kopffüßer], mit der sich die stratigraphischen Zonen der Oberkreidezeit im europäischen Teil der Sowjetunion abgrenzen ließen (die N.S. Statski zu seinen Ehren Belementella Lange nannte). 1921 leitete Lange eine Fragen der Bodenmelioration gewidmete Expedition in die Gouvernements Moskau und Iwanowo-Wosnessensk, 1922 mehrere hydro- und baugeologische Explorationen in den Gouvernements Rybinsk, Jaroslawl und Iwanowo-Wosnessensk. In den Jahren 1921-22 untersuchte er die Stabilität von Erdrutsch-Hängen bei Uljanowsk (Wolga). Zu seiner Zeit in Mittelasien führte er 1926 eine Expedition zur Begutachtung des infolge eines Bergsturzes entstandenen Saressees im Pamirgebirge durch und bescheinigte dem durch den Erdrutsch entstandenen natürlichen Staudamm Stabilität. In den Jahren 1924-40 leitete er die baugeologischen Vermessungen entlang der Trasse der Turkestan-Sibirischen-Eisenbahn und in anderen Regionen Mittelasiens. Er war als Sachverständiger für bau- und hydrogeologische Fragen an der Planung der Turkestan-Sibirischen Eisenbahn, des Turkestan-Kanals und des Nowokusnezker Stahlkombinats beteiligt, erforschte Schlammlawinen [Muren], zu deren Klassifizierung er ein neues System vorschlug, entwickelte neue Kriterien der hydro- und baugeologischen Kartierung, befasste sich mit Fragen der Wasserversorgung und Bewässerung Taschkents, Aschchabads und der Kirgisischen SSR und untersuchte das Grundwasser Mittelasiens unter volkswirtschaftlichen Aspekten. Er plante den Aufbau eines Netzes fester hydrogeologischer Messstationen und leistete einen erheblichen Beitrag zur hydrogeologischen Definition verschiedener Regionen. Große Bedeutung hatte die von ihm aufgrund seiner in Mittelasien geleisteten Forschungsarbeit ausgearbeitete Bestimmung verschiedener hydrogeologischer Regionen.
Lange ist Autor von über 200 wissenschaftlichen Arbeiten und Lehrwerken, darunter Lehrbücher und Lehrmaterial zur Hydrogeologie und zur allgemeinen Geologie: „Kurzer Kurs der Allgemeinen Hydrogeologie“ (Moskau-Leningrad, 1931; Moskau, 1933), „Einführung in die Geologie“ (Moskau, 1951, in chinesischer Sprache - Peking, 1954), „Allgemeine Geologie“ (Moskau, 1957, in Zusammenarbeit mit F.M. Iwanowa und N.B. Lebedewa; englischsprachige Ausgabe - Moskau, 1962), „Grundlagen der Hydrogeologie“ (1958), „Hydrogeologie“ (Moskau, 1969).
Lange war Mitglied des Bodengeologischen und Bodengeographischen Komitees der Universitätsverwaltung des Volkskommissariats für Bildungswesen (1933-34) und Mitglied der Zentralen Hydrogeologischen Kommission (Sektion) des Volkskommissariats für Landwirtschaft der UdSSR. In den Jahren 1959-70 war er Vorsitzender und von 1970 an Mitglied des Büros der Hydrogeologischen Sektion des Sowjetischen Komitees des Internationalen Geologenverbands. 1963 Vorsitzender des Hydrogeologischen Kongresses in Armenien. Er war Mitglied der Moskauer Gesellschaft der Naturforscher (seit 1905; in den Jahren 1945-75 als Mitglied des Rats, Mitglied des Präsidiums und Vizepräsident; in den Jahren 1947-75 als Vorsitzender der Hydrogeologischen Sektion) und der Gesellschaft der Freunde der Naturkunde, Anthropologie und Ethnographie.
Lange wurde mit dem Leninorden, dem Rotbannerorden der Arbeit und diversen Medaillen ausgezeichnet. Er ist auf dem Kunzewoer Friedhof begraben.
О верхнемеловых и третичных отложениях окрестностей Бахчисарая, Бюллетень. МОИП, 1909 (совм. с Г.Ф. Мирчинко); Краткий предварительный отчет о гидрогеологическом обследовании Бессарабии, в. 3, 1917; Подземные воды Узбекистана и перспективы их комплексного использования, «Труды и материалы I конференции по изучению производительных сил Узбекистана», 19–28 декабря 1932, Ташкент (совм. с М.А. Шмидтом); О методике составления гидрогеологических карт, Ташкент, 1946; Материалы для техники и методики гидрогеологических стационарных исследований, «Труды и материалы по гидрогеологии Средней Азии, в. 1, Самарканд-Ташкент, 1935; О зональном распределении грунтовых вод на территории СССР, «Материалы к познанию геологического строения СССР». Новая сер., в. 8 (12) М., 1947; Гидрогеологическое районирование Средней Азии, «Советская геология», М., 1948, № 34; Подземные воды СССР, ч. 1–2, М., 1958–63.
Die Enzyklopädie wurde auf die Initiative der öffentlichen Organisation „Föderale nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“ (FNKA RD) unter aktiver Beteiligung der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erstellt. Das Projekt wurde von den Regierungen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Während der Projektdurchführung wurden Geldmittel verwendet, welche gemäß den Anordnungen des Präsidenten der Russischen Föderation und auf der Grundlage von durchgeführten Wettbewerben der „Nationalen Wohltätigkeitsstiftung“, den allrussischen öffentlichen Organisationen die „Gesellschaft „Wissen“, die „Russische Union der Rektoren“ u.a., in den Jahren 2015–2017 als Zuschüsse zugewiesen wurden.
1 13.05.2026
Veranstaltungen
Erinnerung als Kunst: Begegnung mit der Regisseurin Polina Sacharowa im DRHMAm 13. Mai findet im Deutsch-Russischen Haus in Moskau ein offenes Treffen mit der Regisseurin, Schauspielerin und Leiterin des Theaters „Mimikrija“ Polina Sacharowa statt. Das Gespräch widmet sich der Frage, wie familiäre und historische Erinnerung zur Grundlage von Theaterinszenierungen wird und sich in lebendige Bühnenkunst verwandelt.
1 08.05.2026
Offene Treffen
„Ich möchte bei allem zum Kern der Sache vordringen“: Offenes Treffen über die Harmonie von Sprache und KörperAm 15. Mai findet im Deutsch-Russischen Haus in Omsk ein offenes Treffen statt, bei der eine harmonische Verschmelzung der Künste präsentiert wird. Moderiert wird sie von „dem Tänzer der Worte“ – so wird Arnold Rainik in Perm genannt, Preisträger russischer und internationaler Wettbewerbe, künstlerischer Leiter und Choreograf des Autorentanztheaters „Lallen“.
1 07.05.2026
Offene Treffen
In der Welt des Volkstanzes: Offenes Treffen mit den Leitern von TanzensemblesAm 11. Mai lädt das Kultur- und Geschäftszentrum der Russlanddeutschen in Kaliningrad zu einem offenen Tanztreffen ein. Die Leiterinnen der Ensembles aus Kaliningrad und Moskau, Olga Schadrina und Guselija Sirasijewa, werden den Gästen die Türen zur ausdrucksstarken Welt des Volkstanzes öffnen.
1 04.05.2026
Offene Treffen
Das Erbe der Maniser: Offenes Treffen mit Darja WoroninaAm 7. Mai wird den Gästen des Kultur- und Geschäftszentrums der Stadt Kaliningrad ein einzigartiges Phänomen der Kunstgeschichte vorgestellt – der Lebens- und Schaffensweg der Meister aus der Dynastie der Maniser. Referentin des offenen Treffens ist die Kunstvermittlerin, Künstlerin und Kunsthistorikerin, Kuratorin des Festivals für zeitgenössische Kirchenkunst „Sehen und Hören“ sowie Forscherin zum Schaffen der Künstler der Russlanddeutschen Darja Woronina.
1 30.04.2026
Offene Treffen
„Wir selbst“ – Roman und lebendige Erinnerung: In Tomsk findet offenes Treffen mit Alexander Heier stattAm 30. April findet in Tomsk ein offenes Treffen mit Alexander Heier, dem Direktor des Deutsch-Russischen Hauses in Tomsk, statt. Die Teilnehmer erfahren mehr über das Schicksal des Schriftstellers Gerhard Sawatzky, seinen Roman und die Rolle der deutschen Sprache bei der Bewahrung des historischen Gedächtnisses der Russlanddeutschen.
1 30.04.2026
Veranstaltungen
Der gesamtrussische Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“ startet!Am 27. April fiel der Startschuss für den 10. gesamtrussischen Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“. In diesem Jahr feiert das Projekt sein Jubiläum und bringt weiterhin Teilnehmer aus dem ganzen Land zusammen, wobei sechs thematische Kategorien für verschiedene Altersgruppen angeboten werden.
1 29.04.2026
Offene Treffen
Deutsches Jekaterinburg: Offenes Treffen über Geschichte der deutschen Gemeinde auf dem StadtplanIn Jekaterinburg findet ein offenes Treffen mit der Kandidatin der Kulturwissenschaften Jekaterina Kaluschnikowa statt, das der Geschichte der deutschen Gemeinde gewidmet ist. Die Teilnehmer erfahren, welche Rolle die Deutschen bei der Entstehung der Stadt gespielt haben – von der Industrie bis hin zu Bildung und Wissenschaft.
1 28.04.2026
Veranstaltungen
Abschlussfeier der Sprachclubsaison im Deutsch-Russischen Haus in Moskau: erste Teil des FeiertagesAm 18. April hat im Deutsch-Russischen Haus in Moskau die Abschlussfeier der ethnokulturellen Sprachclubsaison stattgefunden. Die Teilnehmenden besprachen die Ergebnisse der Arbeit, präsentierten kreative Darbietungen und betonten in ungezwungener Atmosphäre die Bedeutung des Erhalts der Sprache, der Traditionen und der kulturellen Identität der Russlanddeutschen.
1 27.04.2026
Eliteförderung/Avantgarde
Generationendialog und neue Ideen: Kulturhistorisches Seminar im Deutsch-Russischen Haus in MoskauAm 25. April war der letzte Tag des jährlichen Kulturhistorischen Seminars im Deutsch-Russischen Haus in Moskau. Zum elften Mal brachte es Nachwuchswissenschaftler sowie führende Experten aus dem ganzen Land zusammen. Über mehrere Tage diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen, präsentierten ihre Forschungsergebnisse und suchten nach neuen Entwicklungsfeldern.
1 26.04.2026
Interview
„Hierher möchte man immer wieder zurückkehren“: Erfahrungsberichte der ständigen Teilnehmer des Kulturhistorischen SeminarsDas Kulturhistorische Seminar verbindet seit elf Jahren Forscherinnen und Forscher, für viele von ihnen ist es eine bedeutende Station auf ihrem akademischen Weg. Wir haben mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern gesprochen, die immer wieder hierher zurückkehren, darüber, wie sich ihre Erfahrungen verändern, worauf an diesem Projekt der Schwerpunkt liegt und warum es so besonders bleibt.