BURGHARDT, Oswald-Eckhardt (Oswald Fjodorowitsch), * 4. Oktober 1891 in Serbinowka na Podole (Ukraine), † 30. Oktober 1947 in Augsburg (Bayern). Ukrainisch-deutscher Dichter und Prosaschriftsteller (Pseudonym: Jurij Klen). Literaturwissenschaftler, Slawist, Doktor der Philologischen Wissenschaften (1941), Kritiker und Übersetzer.
Burghardt entstammte einer Kaufmannsfamilie. Nach Abschluss des 1. Kiewer Gymnasiums (1911) studierte er an der Universität Kiew, musste die Stadt aber im Zuge der durch den Ersten Weltkrieg entfesselten antideutschen Kampagne 1914 verlassen und ging in das Gouvernement Archangelsk (Marjina Gora). 1918 kam er zu seiner Mutter und Schwester nach Kursk, wo er als Englischlehrer tätig war. Im gleichen Jahr kehrte er nach zwischenzeitlichem Aufenthalt in Deutschland nach Kiew zurück. 1920 schloss er sein Studium an der Philologischen Fakultät der Universität Kiew ab (Fachbereich für Romanische und Germanische Sprachen) und unterrichtete in den folgenden zwei Jahren (1920-22) Deutsch und Französisch sowie einen Kurs zur Weltliteratur an der Sozial-Ökonomischen Fachschule und der Arbeiterschule der in der Nähe von Kiew gelegenen Kleinstadt Baryschowka. 1921 wurde er zusammen mit anderen Lehrern von der Tscheka verhaftet und verbrachte einen Monat in den Gefängnissen der Städte Jahotyn, Pyrjatyn, Hrebinky und Poltawa, die ihm ein „leidvoller Hort“ („Außerordentliche Poesie“, 1921) wurden. 1923 schloss er am Wissenschaftlichen Forschungsinstitut der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften seine Aspirantur ab und war anschließend als Deutsch- und Ukrainischlehrer an der Eisenbahner-Fachschule (1923-24), an der Kooperativ-Schule (1923-27), am Kiewer Agrarinstitut in Holossijiw (1924-28) und schließlich am Institut für Volksbildung (1930-31) tätig, wo er den Lehrstuhl für Angewandte Kunst aufbaute. Parallel war er an der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften wissenschaftlich tätig und veröffentlichte in verschiedenen ukrainisch- und russischsprachigen Zeitschriften seine literarischen Werke. In den 1920er Jahren war Burghardt Mitglied der sogenannten ukrainischen Neoklassiker, einer Gruppe von Schriftstellern und Literaturkritikern um Mykola Serow, Pawlo Fylypowytsch, Mychajlo Draj-Chmara und Maksym Rylskyj, und übersetzte Josef Wincklers „Eiserne Sonette“ ins Ukrainische (Charkow, 1925).
1931 emigrierte Burghardt angesichts der zunehmenden Repressionen nach Deutschland, wo er zunächst als Privatlehrer tätig war und später Vorlesungen an der Universität München hielt. Von 1934 an lehrte er am Lehrstuhl für Slawistik der Universität Münster, wo er Kurse zur russischen, ukrainischen und polnischen Literatur gab. In den 1930er Jahren stand er den Dichtern der „Prager Schule ukrainischer Dichter“ nahe und schrieb für die in Lemberg erscheinende Zeitschrift „Wystnik“ [dt.: „Bote“], in der er 1933 auch erstmals eines seiner Werke (das Bisonett „Cortés“) mit dem Pseudonym Jurij Klen unterschrieb. An gleicher Stelle veröffentlichte er sein Poem “Verdammte Jahre” (1937, Nr. 3, in ukrainischer Sprache).
1939 wurde Burghardt zur deutschen Wehrmacht eingezogen, die ihn als Dolmetscher in der besetzten Ukraine einsetzte. Weil er Mitleid mit der örtlichen Bevölkerung zeigte und gegen die Brutalität des Besatzungsregimes protestierte, geriet er unter Verdacht, wurde aber wenig später aus gesundheitlichen Gründen demobilisiert, was ihn vor härteren Strafen bewahrte.
1941 verteidigte er seine von E. Hofmann betreute Dissertation zum Thema “Leitmotive bei Leonid Andrejew” an der Universität Münster. Von Januar 1943 an unterrichtete er an der Ukrainischen Freien Universität in Prag. Im Frühjahr 1945 zog er mit seiner Frau und zwei Kindern nach Tirol (Österreich), wo er zunächst in Vorderwildbach und von 1946 an in Leutasch wohnte und als außerordentlicher Professor für Slawistik an der Universität Innsbruck sowie als Redakteur der ukrainischen Zeitschrift “Litawri“ [dt. „Die Kesselpauke“] tätig war und an der deutschsprachigen Anthologie ukrainischer Dichtung “Dichtung der Verdammten” arbeitete (nicht veröffentlicht). Zu dieser Zeit entstand auch sein unvollendet gebliebenes Hauptwerk „Die Asche der Imperien“ (in ukrainischer Sprache). Zusammen mit Leonid Mossends schrieb er unter dem gemeinsamen Pseudonym Porfyrii Horotak die satirischen „Diabolischen Parabeln“.
Nach dem Krieg gehörte er der von Exilschriftstellern in Deutschland gegründeten „Ukrainischen Kunstbewegung“ an. Burghardt war einer der ersten, die Stalin satirisch darstellten und auf eine Stufe mit Hitler stellten.
Die Enzyklopädie wurde auf die Initiative der öffentlichen Organisation „Föderale nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“ (FNKA RD) unter aktiver Beteiligung der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erstellt. Das Projekt wurde von den Regierungen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Während der Projektdurchführung wurden Geldmittel verwendet, welche gemäß den Anordnungen des Präsidenten der Russischen Föderation und auf der Grundlage von durchgeführten Wettbewerben der „Nationalen Wohltätigkeitsstiftung“, den allrussischen öffentlichen Organisationen die „Gesellschaft „Wissen“, die „Russische Union der Rektoren“ u.a., in den Jahren 2015–2017 als Zuschüsse zugewiesen wurden.
1 13.05.2026
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„Wir selbst“ – Roman und lebendige Erinnerung: In Tomsk findet offenes Treffen mit Alexander Heier stattAm 30. April findet in Tomsk ein offenes Treffen mit Alexander Heier, dem Direktor des Deutsch-Russischen Hauses in Tomsk, statt. Die Teilnehmer erfahren mehr über das Schicksal des Schriftstellers Gerhard Sawatzky, seinen Roman und die Rolle der deutschen Sprache bei der Bewahrung des historischen Gedächtnisses der Russlanddeutschen.
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Abschlussfeier der Sprachclubsaison im Deutsch-Russischen Haus in Moskau: erste Teil des FeiertagesAm 18. April hat im Deutsch-Russischen Haus in Moskau die Abschlussfeier der ethnokulturellen Sprachclubsaison stattgefunden. Die Teilnehmenden besprachen die Ergebnisse der Arbeit, präsentierten kreative Darbietungen und betonten in ungezwungener Atmosphäre die Bedeutung des Erhalts der Sprache, der Traditionen und der kulturellen Identität der Russlanddeutschen.
1 27.04.2026
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„Hierher möchte man immer wieder zurückkehren“: Erfahrungsberichte der ständigen Teilnehmer des Kulturhistorischen SeminarsDas Kulturhistorische Seminar verbindet seit elf Jahren Forscherinnen und Forscher, für viele von ihnen ist es eine bedeutende Station auf ihrem akademischen Weg. Wir haben mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern gesprochen, die immer wieder hierher zurückkehren, darüber, wie sich ihre Erfahrungen verändern, worauf an diesem Projekt der Schwerpunkt liegt und warum es so besonders bleibt.
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