MARIENFELDER AUFSTAND, Sturz der Sowjetmacht in Marienfeld (26.12.1929-21.01.1930) - gegen die Kollektivierung der Landwirtschaft und die Schließung der Kirchen gerichtete offene Widerstandsaktion der Bewohner des im Kanton Kamenka (ASSR der Wolgadeutschen) gelegenen katholischen Dorfs Marienfeld.
Wie in vielen anderen in der ASSR der Wolgadeutschen gelegenen Dörfern kam es auch in Marienfeld Mitte Dezember 1929 zu Massenunruhen, als die örtlichen Partei- und Sowjetorgane die Zwangsvergesellschaftung des Bodens und des Viehs sowie die Gründung der Kolchosen einleiteten.
Auf der Kolchoskonferenz des Kantons Kamenka sprachen sich die Marienfelder Delegierten Mitte Dezember 1929 offen gegen die dort verabschiedeten Beschlüsse aus, denen zufolge Kolchosen gegründet, der Besitz vergesellschaftet und die Kirchen geschlossen werden sollten. Die überwältigende Mehrheit der aufgebrachten Dorfbewohner weigerte sich, die auf der Kolchoskonferenz gefassten Beschlüsse umzusetzen. Als die örtlichen Aktivisten ihre Versuche fortsetzten, die Bauern durch Zwangsmaßnahmen zum Eintritt in die Kolchosen zu bewegen, kam es am 26. Dezember 1929 zu einer spontanen Rebellion, in deren Verlauf die Bauern die zu diesem Zeitpunkt aus 380 Höfen bestehende Kolchose zerschlugen und den gesamten Besitz an die früheren Besitzer zurückgaben. Den wenigen Bauern, die nicht aus der Kolchose austreten wollten, wurde ihr Besitz unter Androhung von Gewalt zurückgegeben. Die um ihr Leben fürchtenden örtlichen Partei- und Sowjetaktivisten waren gezwungen, sich zu verstecken. Alle von Seiten der Kantonsverwaltung unternommenen Versuche, die Bauern zur freiwilligen Rückkehr in die Kolchosen zu bewegen, blieben erfolglos und wurden von den aufgebrachten Bauern mit Ausrufen wie „Haut ab!“, „Wir wollen eure Märchen nicht mehr hören“ oder „Wenn ihr leben wollt, schert euch zum Teufel!“ beantwortet.
Am 8. April 1930 beschloss der Dorfsowjet auf einer geheimen Sitzung, dreizehn „Rädelsführer“ des Bauernaufstands zu verhaften und vor Gericht zu stellen, und richtete ein entsprechendes Gesuch an die Machtorgane des Kantons. Am 10. Januar kamen ein Untersuchungsrichter, ein Richter und vier bewaffnete Milizionäre ins Dorf, die insgesamt neunzehn Personen verhafteten und versuchten, vor Ort eine Gerichtsverhandlung abzuhalten. Sehr schnell kam daraufhin eine über 500 Mann starke wütende Menge zusammen, die die Verhafteten befreite und zugleich versuchte, die anwesenden Vertreter der Staatsmacht zu lynchen. Es waren Schreie wie „Schlagt die Schufte“, „Wir sind die Macht und nicht sie“, „Wir geben keinen einzigen im Dorf Verhafteten her“ und „Wer es wagt, sie zu nehmen, wird an Ort und Stelle erschlagen!“ zu hören. Nur mit großer Mühe gelang es den Vertretern der Staatsmacht, unbeschadet das Dorf zu verlassen.
In den folgenden Tagen bereitete sich das Dorf auf die Abwehr von Angriffen vor. Die Dorfversammlung beschloss, das Vieh zu schlachten, keine landwirtschaftlichen Arbeiten mehr zu verrichten und im Frühjahr mit der gesamten Dorfgemeinschaft aus der UdSSR zu emigrieren.
In der Nacht auf den 18. Januar gelang es einem siebzehn Mann starken Trupp der GPU, sich mit Hilfe der örtlichen Partei- und Sowjetaktivisten ins Dorf einzuschleichen. Als die Bauern die Eindringlinge schließlich bemerkten, hatten diese bereits elf Personen (allesamt angesehene Bewohner des Dorfes) verhaften und zusammen mit den Sowjetaktivisten aus dem Dorf bringen können. Eine etwa 200 Reiter starke Gruppe nahm die Verfolgung auf, kam aber nicht mehr rechtzeitig bei der Bahnstation Awilowo an, von der aus die Verhafteten wenige Minuten vor ihrer Ankunft mit dem Zug nach Kamyschin gebracht wurden. Die aufgebrachten Bauern machten sich auf die Suche nach den Aktivisten und verwüsteten deren Häuser, als sie dieser selbst nicht habhaft werden konnten.
Am 21. Januar kam ein vom Chef der Kamyschiner Bezirksabteilung der GPU angeführter, mit Maschinengewehren und weiteren Schusswaffen bewaffneter, etwa 40 Mann starker Trupp nach Marienfeld, der den Widerstand der Bauern bald brechen konnte. Im Zuge dieser Aktion wurden insgesamt 61 Dorfbewohner verhaftet und weggeschafft. Auch anschließend kam es zu weiteren Verhaftungen, die im Februar nahtlos in die Entkulakisierungskampagne übergingen. Den durch den Terror gebrochenen Bauern blieb nichts anderes übrig, als der Kolchose beizutreten.
Die Enzyklopädie wurde auf die Initiative der öffentlichen Organisation „Föderale nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“ (FNKA RD) unter aktiver Beteiligung der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erstellt. Das Projekt wurde von den Regierungen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Während der Projektdurchführung wurden Geldmittel verwendet, welche gemäß den Anordnungen des Präsidenten der Russischen Föderation und auf der Grundlage von durchgeführten Wettbewerben der „Nationalen Wohltätigkeitsstiftung“, den allrussischen öffentlichen Organisationen die „Gesellschaft „Wissen“, die „Russische Union der Rektoren“ u.a., in den Jahren 2015–2017 als Zuschüsse zugewiesen wurden.
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