LÖWENSTEIN (Johnston) Henry-Ralf (Genri Rudolfowitsch) (27. Dezember 1918, Nikolajew – 2. Oktober 2004, Joschkar-Ola), Röntgenarzt, Schriftsteller, Fotograf, Sammler, Reisender.
Sohn eines amerikanischen Staatsbürgers Harald Johnston, eines U-Boot-Planungsingenieurs, welcher nach einem Vertrag in der Schiffswerft in Nikolajew arbeitete, und von Katharina Apping. Die Mutter von Henry war in Riga geboren, schloss das Dresdner Konservatorium im Fach Klavier ab, heiratete Rudolf Löwenstein, den leitenden Ingenieur der Schiffswerft Nikolajew, nahm seinen Nachnamen an. Den gleichen Nachnamen nahm auch ihr Sohn an.
Kurz nach Beginn des Bürgerkriegs siedelte der Vater von Henry-Ralf nach Holland um, später gelang es auch seiner Mutter, dorthin umzusiedeln, etwa ein Jahr lebte die Familie in dem Hafenstädtchen Vlissingen. Dennoch trennten sich Katharina und Harald bald. Katharina fand eine Anstellung in der Sowjetischen Handelsvertretung in Berlin und heiratete in Kürze dessen Mitarbeiter Georgi Alexandrowitsch Rappoport, welcher kurz darauf nach Kopenhagen entsandt wurde. Henry-Ralf Löwenstein verblieb in Berlin, wo er vier Klassen der Volksschule und drei Klassen des Gymnasiums absolvierte.
Im Jahre 1932 kehrte die Familie nach Moskau zurück, wo Löwenstein in die Deutsche Karl-Liebknecht-Schule ging, nach deren Abschluss er in das 1. Medizinische Institut aufgenommen wurde.
1938 wurde sein Stiefvater sowie sein Onkel Stephan Heinrichowitsch Apping verhaftet und erschossen. Der andere Onkel – Eduard Heinrichowitsch Apping – wurde verhaftet.
Am 10. September 1941 wurde Löwenstein mitgeteilt, dass auf Grundlage der Verordnung des Volkskommissars zur Durchführung der Operation der Umsiedlung von Deutschen aus der Stadt Moskau und dem Gebiet Moskau Nr. 001237 er in das Gebiet Karaganda der Kasachischen SSR ausgewiesen wird und Moskau innerhalb von 48 Stunden verlassen muss. Am nächsten Tag wurde der Beschluss geändert. Löwenstein wurde zu drei Artikeln belastet: antisowjetische Aufklärungsarbeit, Spionage und Verrat am Vaterland. Nach Verhören in dem Gefängnis Taganka und der darauffolgenden Überführung in das Gefängnis Lubjanka wurde Löwenstein nach Tschistopol etappiert.
Seine Mitter Katharina Apping und seine Frau, die Kartografin Ljudmila Archangelskaja wurden im September 1941 nach Kasachstan ausgewiesen. Sie lebten in der Siedlung Samarkand nahe Karaganda. Das weitere Schicksal von Ljudmila Archangelskaja ist unbekannt. Katharina Apping starb 1949 in Kasachstan.
In dem Gefängnis Tschistopol befand sich Löwenstein bis 1943 und wurde daraufhin nach Kaslag versetzt. Er arbeitete als Arzt in dem Krankenhaus des Lagers. Er verhalf kranken Strafgefangenen bei der Freistellung von der Arbeit. Er wurde der Annahme einer Bestechung belastet und verhaftet. Die Frist der Haft wurde von 5 auf 7 Jahre Besserungs- und Arbeitslager erhöht. Er wurde zur Arbeit als Arzt in einer Etappenstation überführt.
Im Sommer 1945 wurde er auf spezielle Anweisung in die Mariische ASSR überführt. Arbeitete in Sanitätsstellen in verschiedenen Kolonien (in der Siedlung Oschla des Bezirks Kilemari, in den Siedlungen Schuschery und Kusmino).
Befand sich in Haftanstalten bis 1948, danach bis 1956 – in einer Sondersiedlung im Bezirk Jurin der Mariischen ASSR, wo er als Leiter des Arztbereichs des Bezirks Jurin arbeitete. Sein Arztdiplom erhielt G. R. Löwenstein in Ischewsk, wofür er in das 5. Studienjahr des Medizinischen Instituts Ischewsk kam. Im Jahre 1950 heiratete er das zweite Mal – die Ärztin A. G. Knjasewa.
Löwenstein regte den Bau eines Stadions im Bezirk Jurin der Mariischen ASSR an, unter seiner Leitung wurde ein Fußball- und ein Volleyballverein, eine Leichtathletik- und eine Skiauswahl des Forstbetriebs gegründet. Er brachte Kindern und Erwachsenen die Fotokunst nah.
Als Lektor der Gesellschaft „Znanije“ („Wissen“) durchreiste Löwenstein die Sowjetunion, besuchte Indien, Nepal, Sri Lanka, Ägypten, organisierte Expeditionen auf den Kasbek und den Elbrus.
Im Jahre 1963 siedelte er nach Joschkar-Ola um und arbeitete in der Position des Röntgenarztes des Republikanischen Tuberkulosefürsorgestelle. 1979 ging er in Rente.
Löwenstein ist Autor von 14 autobiografischen Büchern, welche in russischer, deutscher, ungarischer, turkmenischer Sprache veröffentlicht wurden. Viele seiner Werke begleitete Genri Rudolfowitsch mit eigenen Fotos und Zeichnungen.
Im Jahre 2014 wurde G. R. Löwenstein Träger der speziellen Nominierung „Name des Volkes“ des Wettbewerbs „Größte Namen der Deutschen Russlands“, welche durch den Internationalen Verband der Deutschen Kultur durchgeführt wurde. Der Preis wurde seiner Tochter Swetlana, seinem Sohn Oleg sowie den Nachfahren des Bruders von Katharina Apping, Eduard, übergeben.
Die Enzyklopädie wurde auf die Initiative der öffentlichen Organisation „Föderale nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“ (FNKA RD) unter aktiver Beteiligung der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erstellt. Das Projekt wurde von den Regierungen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Während der Projektdurchführung wurden Geldmittel verwendet, welche gemäß den Anordnungen des Präsidenten der Russischen Föderation und auf der Grundlage von durchgeführten Wettbewerben der „Nationalen Wohltätigkeitsstiftung“, den allrussischen öffentlichen Organisationen die „Gesellschaft „Wissen“, die „Russische Union der Rektoren“ u.a., in den Jahren 2015–2017 als Zuschüsse zugewiesen wurden.
1 13.05.2026
Veranstaltungen
Erinnerung als Kunst: Begegnung mit der Regisseurin Polina Sacharowa im DRHMAm 13. Mai findet im Deutsch-Russischen Haus in Moskau ein offenes Treffen mit der Regisseurin, Schauspielerin und Leiterin des Theaters „Mimikrija“ Polina Sacharowa statt. Das Gespräch widmet sich der Frage, wie familiäre und historische Erinnerung zur Grundlage von Theaterinszenierungen wird und sich in lebendige Bühnenkunst verwandelt.
1 07.05.2026
Offene Treffen
In der Welt des Volkstanzes: Offenes Treffen mit den Leitern von TanzensemblesAm 11. Mai lädt das Kultur- und Geschäftszentrum der Russlanddeutschen in Kaliningrad zu einem offenen Tanztreffen ein. Die Leiterinnen der Ensembles aus Kaliningrad und Moskau, Olga Schadrina und Guselija Sirasijewa, werden den Gästen die Türen zur ausdrucksstarken Welt des Volkstanzes öffnen.
1 04.05.2026
Offene Treffen
Das Erbe der Maniser: Offenes Treffen mit Darja WoroninaAm 7. Mai wird den Gästen des Kultur- und Geschäftszentrums der Stadt Kaliningrad ein einzigartiges Phänomen der Kunstgeschichte vorgestellt – der Lebens- und Schaffensweg der Meister aus der Dynastie der Maniser. Referentin des offenen Treffens ist die Kunstvermittlerin, Künstlerin und Kunsthistorikerin, Kuratorin des Festivals für zeitgenössische Kirchenkunst „Sehen und Hören“ sowie Forscherin zum Schaffen der Künstler der Russlanddeutschen Darja Woronina.
1 30.04.2026
Offene Treffen
„Wir selbst“ – Roman und lebendige Erinnerung: In Tomsk findet offenes Treffen mit Alexander Heier stattAm 30. April findet in Tomsk ein offenes Treffen mit Alexander Heier, dem Direktor des Deutsch-Russischen Hauses in Tomsk, statt. Die Teilnehmer erfahren mehr über das Schicksal des Schriftstellers Gerhard Sawatzky, seinen Roman und die Rolle der deutschen Sprache bei der Bewahrung des historischen Gedächtnisses der Russlanddeutschen.
1 30.04.2026
Veranstaltungen
Der gesamtrussische Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“ startet!Am 27. April fiel der Startschuss für den 10. gesamtrussischen Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“. In diesem Jahr feiert das Projekt sein Jubiläum und bringt weiterhin Teilnehmer aus dem ganzen Land zusammen, wobei sechs thematische Kategorien für verschiedene Altersgruppen angeboten werden.
1 29.04.2026
Offene Treffen
Deutsches Jekaterinburg: Offenes Treffen über Geschichte der deutschen Gemeinde auf dem StadtplanIn Jekaterinburg findet ein offenes Treffen mit der Kandidatin der Kulturwissenschaften Jekaterina Kaluschnikowa statt, das der Geschichte der deutschen Gemeinde gewidmet ist. Die Teilnehmer erfahren, welche Rolle die Deutschen bei der Entstehung der Stadt gespielt haben – von der Industrie bis hin zu Bildung und Wissenschaft.
1 28.04.2026
Veranstaltungen
Abschlussfeier der Sprachclubsaison im Deutsch-Russischen Haus in Moskau: erste Teil des FeiertagesAm 18. April hat im Deutsch-Russischen Haus in Moskau die Abschlussfeier der ethnokulturellen Sprachclubsaison stattgefunden. Die Teilnehmenden besprachen die Ergebnisse der Arbeit, präsentierten kreative Darbietungen und betonten in ungezwungener Atmosphäre die Bedeutung des Erhalts der Sprache, der Traditionen und der kulturellen Identität der Russlanddeutschen.
1 27.04.2026
Eliteförderung/Avantgarde
Generationendialog und neue Ideen: Kulturhistorisches Seminar im Deutsch-Russischen Haus in MoskauAm 25. April war der letzte Tag des jährlichen Kulturhistorischen Seminars im Deutsch-Russischen Haus in Moskau. Zum elften Mal brachte es Nachwuchswissenschaftler sowie führende Experten aus dem ganzen Land zusammen. Über mehrere Tage diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen, präsentierten ihre Forschungsergebnisse und suchten nach neuen Entwicklungsfeldern.
1 26.04.2026
Interview
„Hierher möchte man immer wieder zurückkehren“: Erfahrungsberichte der ständigen Teilnehmer des Kulturhistorischen SeminarsDas Kulturhistorische Seminar verbindet seit elf Jahren Forscherinnen und Forscher, für viele von ihnen ist es eine bedeutende Station auf ihrem akademischen Weg. Wir haben mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern gesprochen, die immer wieder hierher zurückkehren, darüber, wie sich ihre Erfahrungen verändern, worauf an diesem Projekt der Schwerpunkt liegt und warum es so besonders bleibt.
1 25.04.2026
Veranstaltungen
Kulturhistorisches Seminar – 2026 hat im DRHM begonnen!Am 22. April begann im Deutsch-Russischen Haus in Moskau das jährliche kulturhistorische Seminar, zu dem Studierende, Doktoranden und Nachwuchswissenschaftler aus verschiedenen Regionen des Landes zusammengekommen sind. Über mehrere Tage hinweg werden die Teilnehmer über die Geschichte, Kultur und die aktuelle Entwicklung der Russlanddeutschen diskutieren sowie ihre Forschungsarbeiten vorstellen und wissenschaftliche Erfahrungen austauschen.