DEUTSCHER NATIONALRAYON PRIŠIB, territoriale Verwaltungseinheit in der Ukrainischen SSR. Gegründet am 7. Juli 1924 innerhalb des Bezirks Melitopol'. Verwaltungszentrum war das Dorf Prišib. Zum Rayon gehörten ursprünglich die acht deutschen Dorfsowjets Blumental, Weinau, Heidelberg, Hochstädt, Mariaheim, Prišib, Reichenfeld und Rosental. Im Oktober 1926 wurden fünf weitere Dorfsowjets gegründet- drei deutsche, ein russischer und ein ukrainischer. 1925 gab es im Rayon 41 Ortschaften: 27 frühere deutsche Kolonien (Alexanderheim, Alt-Montal, Alt-Nassau, Adreburg, Blumental, Waldorf, Wasserau, Weinau, Heidelberg, Hoffental, Hochheim, Hochstädt, Grüntal, Durlach, Karlsruhe, Kostheim, Kronsfeld, Leiterhausen, Mariaheim, Neu-Montal, Neu-Nassau, Nikolaifeld, Prišib, Reichenfeld, Rosental, Tiefenbrunn, Friedrichstal), neun in den Jahren 1922-23 von aus Kanada remigrierten Angehörigen der Sekte der Duchoborzen gegründete russische Siedlungen und fünf in den Jahren 1921-23 von Übersiedlern aus den Nachbarrayonen gegründete ukrainische Siedlungen. Im Oktober 1927 entstanden im Zuge der Ansiedlung landloser Bauern aus den Prišiber deutschen Kolonien drei neue deutsche Siedlungen. Drei weitere Dörfer wurden von deutschen Übersiedlern aus anderen Regionen der Ukraine gegründet. Ferner entstanden auch drei neue ukrainische Ortschaften. Im März 1925 hatte der Rayon 12.727 Einwohner: 11.659 Deutsche (91,6%), 605 Russen (4,8%) und 463 Ukrainer (3,6%).
Grundlage der Wirtschaft des Rayons war die Landwirtschaft. Die Gesamtfläche des landwirtschaftlichen Nutzlands betrug im Jahr 1925 45.699 Desjatinen (1 Desjatine = 1,1 Hektar). 2.329 deutsche Wirtschaften besaßen insgesamt 36.038 Desjatinen Land. Im Durchschnitt kamen auf eine bäuerliche Einzelwirtschaft 14,7 Desjatinen und auf eine Person 2,9 Desjatinen Land. 526 deutsche Familien waren landlos. 499 ukrainischen und russischen Familien gehörten 9.051 Desjatinen Land (18,1 Desjatinen pro Hof bzw. vier Desjatinen pro Person). Unter den russischen und ukrainischen Bauern hatten lediglich sechs Familien keinerlei Land. Nach Stand zum 1. Oktober 1927 wurden noch 239 deutsche Wirtschaften landlos. Die Anbaufläche für Getreide lag im Rayon in den Jahren 1924–25 bei 24.305 Desjatinen, wobei auf Winterweizen 9.913, auf Sommergerste 5.349, auf Mais 4.459, auf Roggen 2.640, auf Sonneblumen 1.218, auf Hafer 881, auf Hirse 435 und auf Sommerweizen 210 Desjatinen entfielen. Es dominierte die Dreifelderwirtschaft. 1925 umfasste der landwirtschaftliche Maschinenpark des Rayons 620 Saatpflüge, 743 Pflüge, 296 Sämaschinen, 648 Kornschwingen, 71 Motoren, sieben Lokomobile, 239 Dreschmaschinen, 470 Mähmaschinen und 1.271 Eggen. Im Rayon gab es vier Dampf- und neun Windmühlen.
Intensiv entwickelte sich der Nutztierbestand: Die Zahl der Pferde stieg zwischen dem 10. Oktober 1924 und dem 10. Oktober 1925 um 42,4% (von 2.823 auf 4.022 Tiere), die Zahl der Kühe um 52,1% (von 4.386 auf 6.674 Tiere), die Zahl der Schweine um 171,4% (von 1.087 auf 2.951 Tiere) und die Zahl der Schafe um 14,1% (von 3.231 auf 3.689 Tiere). Zugleich hatten von 2.987 im Oktober 1925 inspizierten Wirtschaften 1.046 (35%) kein Pferd. 799 (26,7%) hatten ein Pferd, 757 (25,3%) zwei bis drei Pferde, 248 (8,3%) vier bis fünf Pferde und 137 (4,5%) mehr als fünf Pferde. 366 Wirtschaften hatten keine Kuh (14,6%), 1.370 (54,6%) eine Kuh, 688 (27,4%) zwei oder drei Kühe, 39 (1,5%) vier oder fünf und 48 mehr als fünf Kühe. Zur Leistungsoptimierung von Rindern der rotbunten deutschen Rasse wurde im Herbst 1924 eine Zuchtgenossenschaft gegründet. Im Oktober 1925 waren 1.466 bäuerliche Einzelwirtschaften in 22 Genossenschaften zusammengeschlossen. Es gab auch einige Genossenschaften für Pferde- bzw. Geflügelzucht.
Im Oktober 1927 gab es im Rayon ein landwirtschaftliches Artel-Kollektiv, dem neun Familien angehörten, sowie 15 „Genossenschaften zur gemeinschaftlichen Landbestellung“, in denen sich 190 bäuerliche Einzelwirtschaften zusammengeschlossen hatten. Den Gesellschaften der Verbraucherkooperative gehörten im Oktober 1924 488, im März 1925 571 und im Mai des gleichen Jahres 816 Personen an. Die fünf örtlichen Abteilungen der Verbraucherkooperative erwirtschafteten zwischen Oktober 1924 und März 1925 einen Gewinn von 1.800 Rubeln. Im Februar 1925 wurde die Prišiber landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft gegründet, der im Mai 596 Personen angehörten. Nach Erhalt eines staatlichen Kredits schaffte die Genossenschaft zwei Traktoren an, die sie den in der Traktorengenossenschaft vereinigten Bauern im Tausch gegen landwirtschaftliche Produkte überließ. Im Oktober 1927 bestanden bereits neun Traktorengenossenschaften. Einen erheblichen Zuwachs verzeichneten auch die Mitgliederzahlen der landwirtschaftlichen Kooperativen: Allein in den Prišiber und Reichenfelder landwirtschaftlichen Kreditgenossenschaften hatten sich 1.606 bäuerliche Einzelwirtschaften zusammengeschlossen.
Das Volksbildungssystem des Rayons umfasste im Schuljahr 1925/26 27 deutsche Schulen: 23 Dreiklassenschulen (1.403 Schüler, 35 Lehrer), drei Fünfklassenschulen (408 Schüler, zwölf Lehrer), eine Siebenklassenschule (260 Schüler, acht Lehrer). In Prišib gab es zudem eine Pädagogische Oberschule mit 112 Studenten und zwölf Dozenten.
Zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung gab es 1925 zwei medizinische Stationen und zwei Ambulanzen, deren Personal aus zwei Ärzten und einer Hebamme bestand.
Hinsichtlich der Religionszugehörigkeit teilte sich die deutsche Bevölkerung in Lutheraner und Katholiken. Von den 27 alten deutschen Kolonien waren 19 lutherisch und acht katholisch. In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre bestanden zwei lutherische Gemeinden mit Zentrum in Prišib (Pastor E. Luft) bzw. in Hochstädt (Pastor G. Hahn) sowie zwei katholische Gemeinden in Heidelberg (Pater Ili) und Kostheim (Pater E. Simon).
Im Rayon bestanden Zellen der KP(b)U, denen im November 1924 13 Mitglieder angehörten (elf Deutsche und zwei Russen), Komitees der Dorfarmen, die im November 1924 246 und im Mai 1925 457 Mitglieder hatten, Komitees der solidarischen Hilfe mit über 650 Mitgliedern sowie zwei Komsomolorganisationen mit geringer Mitgliederzahl und eine Pionierbrigade, mit 62 Mitgliedern. Zudem gab es sieben Klubs und vier Lesehütten.
Am 15. Mai 1928 wurde der Rayon Prišib auf Beschluss des Allukrainischen Zentralexekutivkomitees und des Rats der Volkskommissare der Ukrainischen SSR mit dem deutschen Nationalrayon Moločna zusammengelegt.
Die Enzyklopädie wurde auf die Initiative der öffentlichen Organisation „Föderale nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“ (FNKA RD) unter aktiver Beteiligung der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erstellt. Das Projekt wurde von den Regierungen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Während der Projektdurchführung wurden Geldmittel verwendet, welche gemäß den Anordnungen des Präsidenten der Russischen Föderation und auf der Grundlage von durchgeführten Wettbewerben der „Nationalen Wohltätigkeitsstiftung“, den allrussischen öffentlichen Organisationen die „Gesellschaft „Wissen“, die „Russische Union der Rektoren“ u.a., in den Jahren 2015–2017 als Zuschüsse zugewiesen wurden.
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