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ARTIKEL
Bachmann Hermann (1888–1951). Prosaiker, Literaturkritiker, Dramaturg, Ethnograph, Folkloreforscher, Pädagoge, Autor von Deutsch-Lehrbüchern und Arbeiten zu Problemen der Russlanddeutschen

BACHMANN, German, * 25. Oktober 1888 in Bergdorf bei Tiraspol, † 14. März 1951 in Wuppertal-Elberfeld (Deutschland). Schriftsteller, Dichter, Musiker und Pädagoge.

Bachmann wurde in der deutschen Kolonie Bergdorf bei Tiraspol als Sohn einer aus der deutschen Kolonie Rohrbach stammenden Lehrerfamilie geboren, weswegen gelegentlich auch Rohrbach als sein Geburtsort genannt wird. Seine Elementarschulbildung erhielt er durch häuslichen Unterricht. Anschließend besuchte er die Volksschule der Kolonie Worms und von 1902 an die Beresaner Zentralschule in der Kolonie Neu-Freudental. 1907 lernte Bachmann am privaten Hugo-Treffner-Gymnasium in Dorpat. 1908 ging er nach Petersburg, wo er knapp zwei Jahre später als Externer die Gymnasialprüfungen ablegte und noch im gleichen Jahr (1909) ein Studium an den Höheren Germanistischen Kursen aufnahm, das er 1912 mit Auszeichnung abschloss. Nach Abschluss seines Studiums ging er als Lehrer an die Annenschule, an der er in den Jahren 1912-14 tätig war. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wechselte er an eines der Petersburger Knabengymnasien. 1918 kehrte er Petersburg den Rücken und war mehrere Jahre als Schullehrer in den ukrainischen Kolonien Groβliebental und Hoffnungstal tätig. Anschließend unterrichtete er ein Jahr an der Wirtschaftsschule im Dorf Golta am Bug (heute Perwomaisk), war Lehrer an der Zentralschule in Hoffnungstal (Zebrikowo) und wurde schließlich 1924 zunächst zum Schulinspektor der Hoffnungstaler Rayonsabteilung für Volksbildung und 1925 zum Direktor der Siebenklassen-Schule in Großliebental berufen.

Seine Liebe zum Volkslied hatte er von seinem ebenfalls als Lehrer tätigen Vater geerbt, in dessen Haus Musik allgegenwärtig war. In den Jahren 1927-28 nahm er als Spezialist für Musik-Folklore auf Einladung W.M. Schirmunskis (Siehe: „Archiv des deutschen Volkslieds in Leningrad“) an dessen in die deutschen Dörfer der Ukraine und Moldawiens führenden dialektologischen Expeditionen teil, in deren Verlauf er zahlreiche Texte und Melodien deutscher Volkslieder aufzeichnete. Die Expedition von 1927 beschrieb er in seinen Reisenotizen „Durch die deutschen Kolonien des Beresaner Gebiets“. Bachmanns intensive Beschäftigung mit der Folklore und den Alltagsgebräuchen der deutschen Kolonisten und Bauern floss auch in seine humoristischen Erzählungen „Kolonischtegschichtla“ und die Theaterstücke „Brutapparat“ und „Der Zweikampf“ ein. Bachmann war einer der führenden Mitarbeiter der Deutschen Sektion des Allukrainischen Proletarischen Schriftstellerverbands „Pflug“, in deren Zeitschrift „Der Sturmschritt“ er regelmäßig publizierte, befasste sich mit Literaturtheorie und übte erheblichen Einfluss auf das Kulturleben der deutschen Kolonien aus.

Bachmann war ein ausgewiesener Kenner der deutschen Sprache und ihrer Dialekte und Autor mehrerer Lehrbücher und Textsammlungen zur deutschen Sprache, die sich nicht nur in der Ukraine, sondern auch an der Wolga und in Sibirien großer Beliebtheit erfreuten. 1930 wurde er als Lehrer für deutsche Sprache und Literatur an die Deutsche Pädagogische Oberschule in Chortiza eingeladen, die als Vorzeigeschule galt.

1933 kehrte er nach Großliebental zurück, wo er wieder als Lehrer für deutsche Sprache und Literatur an der Schule in Hoffnungstal (Zebrikowo) tätig war. Am 31. Dezember des gleichen Jahres wurde er im gleichen Fall wie A. Ströhm unter der Anschuldigung „unzureichender Wachsamkeit“ und der „Verzerrung des Klassenkampfes in den Kolonien der Deutschen in Russland“ verhaftet und kam für zwei Jahre in ein in Karelien gelegenes Arbeitslager. Im Jahr 2002 wurden dank zuvor nicht zugänglicher Archivdokumente neue die Umstände der Verhaftung Bachmanns betreffende Information bekannt. So schreibt G.L. Malinowa: „Auf Beschlussfassung der Sondersitzung beim Kollegium der GPU der UDSSR vom 28. Februar 1934 war G.I. Bachmann für drei Jahre im Arbeitsbesserungslager interniert. Nach Verbüßung seiner Strafe lebte er offenbar im Gebiet Kurgan, von wo aus er einen Antrag auf Aufhebung seiner Vorstrafe stellte, der allerdings abgelehnt wurde. Aufgrund der in der Akte vorliegenden Dokumente ist davon auszugehen, dass sich Bachmann 1943 in Aktjubinsk aufhielt“.

Nach seiner Freilassung durfte Bachmann nicht mehr als Lehrer arbeiten, wechselte mehrfach seine Beschäftigung und war unter anderem als Bibliothekar und Chorleiter tätig. Während des Deutsch-Sowjetischen Kriegs hielt er sich in dem von der Wehrmacht besetzten Gebiet der Ukraine auf und wurde wie andere Deutschstämmige auch von den zurückweichenden deutschen Truppen zunächst nach Polen (Warthegau) und später nach Deutschland gebracht. In Wuppertal-Elberfeld traf er seine Familie wieder. Ebendort fand er auch eine Arbeit. Bis 1948 war er als Übersetzer tätig. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in einem Wuppertaler Altenheim.

Eine seiner Expeditionen, die ihn im Jahr 1927 in die im Rayon Beresan (Kreis Nikolajewsk) gelegenen Kolonien führte, beschrieb Bachmann in seinen Reisenotizen „Durch die deutschen Kolonien des Beresaner Gebiets“, in denen er ausführlich auf Alltag, Sprache und Liedgut der deutschen Kolonie im frühen 20. Jahrhundert einging. Bachman zeichnete die Melodien nach Gehör auf. Im Institut für russische Literatur der Russischen Akademie der Wissenschaften (Puschkin-Haus) wird eine Liste verwahrt, in der die von ihm angefertigten Notenaufzeichnungen aufgeführt sind. Die Notationen selbst (über 200) sind bislang nicht aufgetaucht, wurden aber zu einem kleineren Teil in Schirmunskis Artikel „Das kolonistische Lied in Russland“ veröffentlicht. In der St. Petersburger Außenstelle des Archivs der Russischen Akademie der Wissenschaften wird ein Heft mit Texten der von Bachmann beschriebenen Expedition verwahrt (Fond 1001, Verzeichnis 1, Akte 358). 1974 wurden Bachmanns Reisenotizen (zusammen mit seinen humoristischen Erzählungen) in Deutschland veröffentlicht. 2003 wurde das Buch in Amerika ins Englische übersetzt.

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ÜBER DIE ENZYKLOPÄDIE

Die Enzyklopädie wurde auf die Initiative der öffentlichen Organisation „Föderale nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“ (FNKA RD) unter aktiver Beteiligung der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erstellt. Das Projekt wurde von den Regierungen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Während der Projektdurchführung wurden Geldmittel verwendet, welche gemäß den Anordnungen des Präsidenten der Russischen Föderation und auf der Grundlage von durchgeführten Wettbewerben der „Nationalen Wohltätigkeitsstiftung“, den allrussischen öffentlichen Organisationen die „Gesellschaft „Wissen“, die „Russische Union der Rektoren“ u.a., in den Jahren 2015–2017 als Zuschüsse zugewiesen wurden.

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