WIEBE, Pjotr Petrowitsch, * 28. November 1955 in Omsk. Russischer Historiker und Heimatkundler. Verdienter Kulturschaffender des Gebiets Omsk, Vorsitzender des Omsker Regionalbüros des Bundes der Heimatkundler Russlands, Vorsitzender der Kommission für Kultur und interethnische und interreligiöse Beziehungen sowie Mitglied der Kommission für Wissenschaft und Bildung der Gesellschaftlichen Kammer des Gebiets Omsk.
Wiebe entstammt einer russlanddeutschen Arbeiterfamilie. Nach Abschluss der Omsker Mittelschule Nr. 1 arbeitete er in den Jahren 1973-74 und 1976-79 als Flugzeugmotorenmonteur in der P.I. Baranow-Fabrik (heute „Vereinter Motorenbau Omsk P.I. Baranow“ als Teil der „Omsker Motorenbau-Korporation AG“) und leistete in den Jahren 1974-75 als Pioniersoldat im Rang eines Sergeanten seinen Wehrdienst bei den Seefliegerkräften der Sowjetischen Armee im Fernen Osten ab. Später war er als Geschichtslehrer an der Mittelschule Nr. 134 in Omsk tätig. 1982 schloss er die Historische Fakultät der Staatlichen Universität Omsk ab und blieb am Lehrstuhl für Geschichte der Sowjetzeit. In den Jahren 1987-96 arbeitete er als Lektor am Lehrstuhl für Vorrevolutionäre Russische Geschichte der Staatlichen Pädagogischen Universität Omsk, wo er in den Jahren 1987-94 auch die historisch-heimatkundliche Forschungsgruppe leitete. Sein wissenschaftliches Forschungsinteresse galt der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen, der Regionalkunde, der Geschichte Sibiriens und der Museumskunde. 1989 schloss er seine (im Fernstudium absolvierte) Aspirantur an der Staatlichen Universität Tomsk mit der Verteidigung seiner Promotionsschrift ab.
Seit 1993 ist Wiebe Direktor des Staatlichen Museums für Geschichte und Heimatkunde in Omsk, dessen Bestände seitdem von 120.000 auf 208.669 verwahrte Objekte gewachsen sind (Stand zum Jahr 2016). Unter seiner Leitung betreibt das Museum eine umfangreiche Forschungs-, Organisations- und Publikationstätigkeit und ist sowohl an der Erstellung und Herausgabe von Katalogen als auch am Aufbau einer gemeinsamen elektronischen Datenbank der Bestände aller im Gebiet Omsk gelegenen kommunalen Museen beteiligt. Seit 1995 ist Wiebe Mitglied des Vorstands der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen. In den Jahren 1999-2009 war er Mitglied des Präsidiums des Museumsverbands Russlands. Seit 1998 ist er Kovorsitzender der Sibirischen Außenstelle des Wissenschaftlichen Rats der Geschichts- und Heimatkundemuseen der Russischen Föderation.
Jedes Jahr sind vom Museum organisierte Expeditionen in den im Gebiet Omsk gelegenen Rayonen bzw. im angrenzenden Gebiet Nowosibirsk, im Altai oder in der Nachbarrepublik Kasachstan aktiv. Im Sommer 1993 führte eine dieser der Zusammentragung ethnographischer Objekte dienenden Expeditionen in die deutschen Dörfer des Rayons Issil-Kul. In den Jahren 1996-2000 wurden die historisch-ethnographischen Feldforschungen von der Internationalen Wissenschaftlichen Studentenkonferenz (MSNK) und dem Außenministerium der Bundesrepublik Deutschland gefördert und führten unter anderem in die Rayone Issil-Kul, Moskalensk und Asowo (Gebiet Omsk). 1999 fand eine von Wiebe geleitete Expedition in das Gebiet Pawlodar (Republik Kasachstan) statt, in deren Verlauf Objekte zu den Volksgruppen der Russen, Deutschen und Kasachen zusammengetragen wurden. Im Jahr 2000 führten die Expeditionen in die Rayone Tara, Snamenskoje, Poltawka und Issil-Kul, im Jahr 2001 in die Rayone Tara, Snamenskoje, Sedelnikowo und Muromzewo. Im Sommer 2002 leitete Wiebe eine Expedition in das Dorf Neudatschino (Rayon Tara, Gebiet Nowosibirsk), wo seltene Alltagsgegenstände aus mennonitischen Familien zusammengetragen werden konnten. In den folgenden Jahren waren die Expeditionen u.a. in den Rayonen Tewris, Ust-Ischim, Ljubinski, Issil-Kul und Marjanowka aktiv. Neben ethnographischen und alltagsgeschichtlichen Expeditionen förderte P.P. Wiebe auch die Durchführung archäologischer Erkundungen und Expeditionen. So wurden die archäologischen Sammlungen des Museen regelmäßig durch Funde aus den nördlichen Rayonen des Gebiets bereichert.
2009 verteidigte P.P. Wiebe an der Staatlichen Pädagogischen Universität Omsk seine dem Thema „Die deutschen Kolonien in Sibirien unter den Bedingungen der sozialen Transformationen des späten 19. - erstes Drittels des 20. Jahrhunderts“ gewidmete Habilitationsschrift.
P.P. Wiebe ist Autor und Wissenschaftlicher Redakteur der „Enzyklopädie des Gebiets Omsk“, der „Enzyklopädie der Stadt Omsk“, des „Historisch-Heimatkundlichen Wörterbuchs Omsk“, des Buches „Das alte Omsk“, der Serie „Anthologie der Omsker Heimatkunde“ und der Buchreihe „Rätsel und Mythen der Omsker Geschichte“ sowie Initiator der Bewahrung des Gedenkens an die Gründer von Omsk Zar Peter I. und Oberstleutnant I.D. Buchholz, an den Obersten Regenten Russlands Admiral A.W. Koltschak, den herausragenden Wissenschaftler, Schriftsteller und Publizisten N.M. Jadrinzew sowie den bekannten Heimatkundler A.F. Palaschenkow.
Wiebe nahm an zahlreichen wissenschaftlichen Konferenzen nicht zuletzt der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen teil und ist Autor von über 600 in in- und ausländischen wissenschaftlichen Publikationen erschienenen Veröffentlichungen sowie mehrerer Monographien.
2007 wurde ihm für die Monographie „Die deutschen Kolonien in Sibirien: der sozial-ökonomische Aspekt“ der Preis der Deutschen National-Kulturellen Autonomie des Gebiets Omsk verliehen. 2012 wurde er für die Monographie „Die deutschen Kolonien in Sibirien unter den Bedingungen der sozialen Transformationen des späten 19. und des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts“ mit dem M.E. Budarin-Preis für geisteswissenschaftliche Forschung ausgezeichnet. 2017 erhielt er den Ehrentitel „Verdienter Kulturträger des Gebiets Omsk“.
Немцы в Сибири (Deutsche in Sibirien): Сб. док. и материалов по истории немцев в Сибири, 1895–1917 / Ом. гос. ист.-краевед. музей, Сиб. фил. Рос. ин-та культурологии, Ин-т герм. и восточно-европ. исслед. (Геттинген, Германия) / сост. П.П. Вибе. Омск, 1999. 359 с.; Каталог этнографической коллекции российских немцев в собрании Омского государственного историко-краеведческого музея / Сост. И.В. Черказьянова; науч. ред. П.П. Вибе. Омск, 1997. 98 с.; Немцы. Россия. Сибирь: [Сборник статей] / Омский государственный историко-краеведческий музей, Сибирский фил. Российского ин-та культурологии / сост. и науч. ред. П.П. Вибе. Омск, 1997. 242 с.; История российских немцев в собрании Омского государственного историко-краеведческого музея [Текст]: альбом-каталог / Министерство культуры Омской области, Омский государственный историко-краеведческий музей, Ассоциация исследователей истории и культуры российских немцев; [составитель и научный редактор П.П. Вибе]; под редакцией доктора исторических наук П.П. Вибе. Омск, 2017. 303 с.
Die Enzyklopädie wurde auf die Initiative der öffentlichen Organisation „Föderale nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“ (FNKA RD) unter aktiver Beteiligung der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erstellt. Das Projekt wurde von den Regierungen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Während der Projektdurchführung wurden Geldmittel verwendet, welche gemäß den Anordnungen des Präsidenten der Russischen Föderation und auf der Grundlage von durchgeführten Wettbewerben der „Nationalen Wohltätigkeitsstiftung“, den allrussischen öffentlichen Organisationen die „Gesellschaft „Wissen“, die „Russische Union der Rektoren“ u.a., in den Jahren 2015–2017 als Zuschüsse zugewiesen wurden.
1 08.05.2026
Offene Treffen
„Ich möchte bei allem zum Kern der Sache vordringen“: Offenes Treffen über die Harmonie von Sprache und KörperAm 15. Mai findet im Deutsch-Russischen Haus in Omsk ein offenes Treffen statt, bei der eine harmonische Verschmelzung der Künste präsentiert wird. Moderiert wird sie von „dem Tänzer der Worte“ – so wird Arnold Rainik in Perm genannt, Preisträger russischer und internationaler Wettbewerbe, künstlerischer Leiter und Choreograf des Autorentanztheaters „Lallen“.
1 07.05.2026
Offene Treffen
In der Welt des Volkstanzes: Offenes Treffen mit den Leitern von TanzensemblesAm 11. Mai lädt das Kultur- und Geschäftszentrum der Russlanddeutschen in Kaliningrad zu einem offenen Tanztreffen ein. Die Leiterinnen der Ensembles aus Kaliningrad und Moskau, Olga Schadrina und Guselija Sirasijewa, werden den Gästen die Türen zur ausdrucksstarken Welt des Volkstanzes öffnen.
1 04.05.2026
Offene Treffen
Das Erbe der Maniser: Offenes Treffen mit Darja WoroninaAm 7. Mai wird den Gästen des Kultur- und Geschäftszentrums der Stadt Kaliningrad ein einzigartiges Phänomen der Kunstgeschichte vorgestellt – der Lebens- und Schaffensweg der Meister aus der Dynastie der Maniser. Referentin des offenen Treffens ist die Kunstvermittlerin, Künstlerin und Kunsthistorikerin, Kuratorin des Festivals für zeitgenössische Kirchenkunst „Sehen und Hören“ sowie Forscherin zum Schaffen der Künstler der Russlanddeutschen Darja Woronina.
1 30.04.2026
Offene Treffen
„Wir selbst“ – Roman und lebendige Erinnerung: In Tomsk findet offenes Treffen mit Alexander Heier stattAm 30. April findet in Tomsk ein offenes Treffen mit Alexander Heier, dem Direktor des Deutsch-Russischen Hauses in Tomsk, statt. Die Teilnehmer erfahren mehr über das Schicksal des Schriftstellers Gerhard Sawatzky, seinen Roman und die Rolle der deutschen Sprache bei der Bewahrung des historischen Gedächtnisses der Russlanddeutschen.
1 30.04.2026
Veranstaltungen
Der gesamtrussische Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“ startet!Am 27. April fiel der Startschuss für den 10. gesamtrussischen Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“. In diesem Jahr feiert das Projekt sein Jubiläum und bringt weiterhin Teilnehmer aus dem ganzen Land zusammen, wobei sechs thematische Kategorien für verschiedene Altersgruppen angeboten werden.
1 29.04.2026
Offene Treffen
Deutsches Jekaterinburg: Offenes Treffen über Geschichte der deutschen Gemeinde auf dem StadtplanIn Jekaterinburg findet ein offenes Treffen mit der Kandidatin der Kulturwissenschaften Jekaterina Kaluschnikowa statt, das der Geschichte der deutschen Gemeinde gewidmet ist. Die Teilnehmer erfahren, welche Rolle die Deutschen bei der Entstehung der Stadt gespielt haben – von der Industrie bis hin zu Bildung und Wissenschaft.
1 28.04.2026
Veranstaltungen
Abschlussfeier der Sprachclubsaison im Deutsch-Russischen Haus in Moskau: erste Teil des FeiertagesAm 18. April hat im Deutsch-Russischen Haus in Moskau die Abschlussfeier der ethnokulturellen Sprachclubsaison stattgefunden. Die Teilnehmenden besprachen die Ergebnisse der Arbeit, präsentierten kreative Darbietungen und betonten in ungezwungener Atmosphäre die Bedeutung des Erhalts der Sprache, der Traditionen und der kulturellen Identität der Russlanddeutschen.
1 27.04.2026
Eliteförderung/Avantgarde
Generationendialog und neue Ideen: Kulturhistorisches Seminar im Deutsch-Russischen Haus in MoskauAm 25. April war der letzte Tag des jährlichen Kulturhistorischen Seminars im Deutsch-Russischen Haus in Moskau. Zum elften Mal brachte es Nachwuchswissenschaftler sowie führende Experten aus dem ganzen Land zusammen. Über mehrere Tage diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen, präsentierten ihre Forschungsergebnisse und suchten nach neuen Entwicklungsfeldern.
1 26.04.2026
Interview
„Hierher möchte man immer wieder zurückkehren“: Erfahrungsberichte der ständigen Teilnehmer des Kulturhistorischen SeminarsDas Kulturhistorische Seminar verbindet seit elf Jahren Forscherinnen und Forscher, für viele von ihnen ist es eine bedeutende Station auf ihrem akademischen Weg. Wir haben mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern gesprochen, die immer wieder hierher zurückkehren, darüber, wie sich ihre Erfahrungen verändern, worauf an diesem Projekt der Schwerpunkt liegt und warum es so besonders bleibt.
1 25.04.2026
Veranstaltungen
Kulturhistorisches Seminar – 2026 hat im DRHM begonnen!Am 22. April begann im Deutsch-Russischen Haus in Moskau das jährliche kulturhistorische Seminar, zu dem Studierende, Doktoranden und Nachwuchswissenschaftler aus verschiedenen Regionen des Landes zusammengekommen sind. Über mehrere Tage hinweg werden die Teilnehmer über die Geschichte, Kultur und die aktuelle Entwicklung der Russlanddeutschen diskutieren sowie ihre Forschungsarbeiten vorstellen und wissenschaftliche Erfahrungen austauschen.