„Kolonist“, Verband der deutschen Kolonisten des Gouvernements Ekaterinoslav, genossenschaftliche Organisation der deutschen Bevölkerung in der Ukrainischen SSR. Gegründet im Mai 1923 durch Zusammenschluss mehrerer bereits bestehender regionaler Abteilungen des „Verbands der südrussischen Kolonisten und Bürger deutscher Rasse“. Das am 12. Oktober 1923 vom Ekaterinoslaver Gouvernementsexekutivkomitee bestätigte Statut des Verbands orientierte sich am Statut der Allukrainischen genossenschaftlichen Vereinigung „Sel'skij gospodar'“ und war durch einige dem Schutz der deutschen Kultur und Bildung betreffende Punkte aus den Statuten seiner Vorgängerverbände ergänzt.
Das Hauptziel der Verbandsarbeit bestand laut Statut im „Zusammenschluss der durch gemeinsame Herkunft, Sprache, Tradition und Kultur miteinander verbundenen deutschen Kolonisten“. Ordentliche Mitglieder des Verbands konnten volljährige Deutsche beiderlei Geschlechts werden. Hauptaufgaben des Verbands waren die „Förderung der Entwicklung der Kolonistenwirtschaft und des landwirtschaftlichen Gewerbes, die Verbreitung agrarwissenschaftlicher Kenntnisse unter der deutschen Bevölkerung sowie die Entwicklung seiner Mitglieder in Fragen der Produktionshygiene sowie im Kultur- und Bildungsbereich“.
Höchstes Führungsorgan war die Gouvernementsvollversammlung der Verbandsmitglieder, die den Zentralvorstand und den Prüfungsausschuss wählte. Der jeweils für ein Jahr gewählte Zentralvorstand bestand aus Vertretern der lokalen Abteilungen, wobei ein Vertreter jeweils 1.000 Mitglieder repräsentierte. Aus den Reihen der Vorstandsmitglieder wurde ein aus dem Vorsitzenden, seinem Stellvertreter, dem Schatzmeister, einem Sekretär und einem Präsidiumsmitglied bestehendes fünfköpfiges Präsidium gewählt. Der Vorstand führte die laufenden Geschäfte des Verbands und vertrat dessen Interessen sowohl gegenüber einzelnen Personen als auch gegenüber verschiedenen Ämtern. Zur Kontrolle der Tätigkeit des Präsidiums gehörte diesem auf Forderung der Gouvernementsbehörden der deutsche Kommunist Bohn an. Sitz des Präsidiums des Zentralvorstands war die Kolonie Prischib.
Im April 1924 hatte der Verband 13 Abteilungen, die sich vor allem in den deutschen Kolonien der Gouvernements Ekaterinoslav und Doneck sowie in einigen Städten mit deutscher Kolonistenbevölkerung befanden. Mitte 1924 waren in dem Verband 5.700 Einzelwirtschaften zusammengeschlossen, was etwa 40% ihrer Gesamtzahl in der Region entsprach. Genossenschaftliche Organisationen des Verbands wurden in Prischib, Vysokopol'e, Tersjanka, Reichenfeld und vielen weiteren großen deutschen Kolonien der Region gegründet. Auf Initiative des Verbands wurden in einigen deutschen Dörfern erfolgreich tätige Tierzucht- und Saatgutgenossenschaften gegründet.
Große Aufmerksamkeit widmete der Verband der Förderung und Entwicklung der schulischen und beruflichen Bildung in den Kolonien. So wurden aus Mitteln des Verbands für eine Reihe von Schulen Schulbücher und Unterrichtsmaterial angeschafft, Schulgebäude renoviert und ein Teil der Lehrer bezahlt. Zudem war der Verband maßgeblich an der Gründung der Prischiber Landwirtschaftsschule beteiligt, die Agrarspezialisten für die deutschen Dörfer ausbildete.
Darüber hinaus setzte sich der Verband für den Schutz der ökonomischen und gesellschaftlichen Interessen der deutschen Bevölkerung ein. Seine Vertreter beteiligten sich sowohl an der Arbeit der von den Behörden an den Orten kompakter Kolonistensiedlung eingerichteten deutschen Parteilosenkonferenzen, auf denen drängende Fragen der ökonomischen, kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung diskutiert wurden, als auch an der Arbeit der Sonderkommission des Gouvernements zur „Aufspürung von Regelwidrigkeiten und gesetzwidrigen Handlungen von Seiten lokaler Vertreter der Sowjetmacht in den deutschen Kolonien“. Zugleich ergriff der Verband auch selbst die Initiative, indem er z.B. Gesuche der Kolonisten nach Wiederherstellung ihres Wahlrechts einsammelte und diese an den mittleren Verwaltungsorganen vorbei unmittelbar an die höchsten Instanzen des Gouvernements leitete. Dieses Vorgehen stieß bei den Behörden auf entschiedene Ablehnung, da es angeblich die Autorität des Verbands auf Kosten des sowjetischen Staatsapparats steigerte. Befürchtungen der Sowjetmacht, ihren Einfluss im deutschen Dorf zu verlieren, waren letztlich auch der Grund für die spätere Auflösung des Verbands. Am 24. Februar 1924 fasste die Führung des Ekaterinoslaver Gouvernementsparteikomitees den Beschluss, ihren Vertreter Bohn aus dem Verbandsvorstand abzuziehen, da sich der „Kolonist“ angeblich überlebt hatte und seine weitere Förderung deshalb nicht mehr zweckmäßig war. Auf Anordnung eben jenes Gouvernementsparteikomitees wurde auch die Veröffentlichung eines Artikels in einer der ukrainischen Zeitschriften zurückgezogen, in dem die Tätigkeit des „Kolonist“ positiv bewertet wurde. Bereits im Sommer 1924 wurde die Vysokopol'er Abteilung des Verbands mit der zum staatlichen Kooperativsystem gehörenden örtlichen Verbrauchergesellschaft zwangsvereint. Mitte November 1924 wurden die Abteilungen in den Bezirken Zaporož'e und Melitopol' geschlossen. Die endgültige Auflösung des Verbands war für Dezember 1924 geplant. Aber die auf dem Verbandstag in Sinel'nikovo zusammengekommenen örtlichen Delegierten weigerten sich, der Auflösungsresolution zuzustimmen. So war erst der nächste Verbandstag gezwungen, sich dem Druck der Machthaber zu beugen und die endgültige Auflösung des „Kolonist“ zu beschließen.
Die Enzyklopädie wurde auf die Initiative der öffentlichen Organisation „Föderale nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“ (FNKA RD) unter aktiver Beteiligung der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erstellt. Das Projekt wurde von den Regierungen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Während der Projektdurchführung wurden Geldmittel verwendet, welche gemäß den Anordnungen des Präsidenten der Russischen Föderation und auf der Grundlage von durchgeführten Wettbewerben der „Nationalen Wohltätigkeitsstiftung“, den allrussischen öffentlichen Organisationen die „Gesellschaft „Wissen“, die „Russische Union der Rektoren“ u.a., in den Jahren 2015–2017 als Zuschüsse zugewiesen wurden.
1 22.04.2026
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1 22.04.2026
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1 15.04.2026
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1 14.04.2026
Nachrichten aus den Regionen
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1 14.04.2026
Nachrichten aus den Regionen
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1 09.04.2026
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