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SIEVERS Thadeus (Faddej Wassiljewitsch) (1853–?), Militär, Infanterie-General

SIEVERS Thadeus (Faddej Wassiljewitsch) (* 18. Oktober 1853; † ?) Militär, Infanterie-General (ab 6. Dezember 1912). Schloss ein klassisches Gymnasium (1871), die Warschauer Infanterie-Junkerschule (1872), und die Zar-Nikolai Generalstabsakademie des 1. Ranges (1881) ab. Begann seinen Dienst 1872 als Unterleutnant im Sankt Petersburger Grenadier-Regiment. War als Kommandeur einer Kompanie Teilnehmer im Russisch-Türkischen Krieg 1877–1878. Für Tapferkeit im Kampf wurde S. mit dem Sankt-Stanislaus-Orden der 3. Klasse mit Schwertern und Schleife (1879) und dem Orden der Heiligen Anna der 3. Klasse mit Schwertern und Schleife (1879) ausgezeichnet. Am 17. Januar 1879 wurde er zum Semjonow-Regiment der Leibgarde versetzt. War ab 21. Mai 1881 Oberadjutant der 1. Kavallerie-Division (Moskau), am 24. Dezember 1884 wurde er an die Jelisawetgrad Kavallerieschule abkommandiert, um Kriegswesen zu unterrichten. Ab dem 18. Mai 1888 war S. Stabsoffizier für Aufgaben beim Stab des Militärbezirkes Odessa. Von Oktober 1890 bis November 1891 verrichtete er seinen Zensusdienst, indem er ein Bataillon im 16. Schützen-Regiment seiner Majestät befehligte. War ab 4. Oktober 1892 Stabschef der Bender-Festung, ab 20. Dezember 1894 Stabschef der Kertsch-Festung und ab 20. Mai 1895 Kommandeur der Kaukasischen Grenadier-Division. Am 20. August 1899wurde er zum Kommandeur des 16. Mingrelischen Grenadier-Regiments  Seiner Kaiserlichen Hoheit des Großfürsten Dmitri Konstantinowitsch (Tiflis) ernannt. Sievers wurde am 31. Juli 1900 zum Generalmajor befördert,dabei zum Stabschef des Sibirischen Armeekorpses ernannt und beteiligte sich an der Niederschlagung des Boxeraufstandes in China. Schon am 14. Dezember 1900 wurde er der Befehlsgewalt des Chefs des Hauptstabes unterstellt. Am 7. August 1901 versetzte man S. als Stabschef des VII. Armeekorpses nach Simferopol und am 11. August 1904 nachJurjew in derselben Funktion beim XVIII. Armeekorps. Ab dem 19. November 1904 befehligte er die 27. Infanterie-Division (Wilna). Am 6. Dezember 1906 wurde S. in den Rang eines Generalleutnants befördert und übernahm die Leitung des Militärbezirkes Wilna. Am 21. Dezember 1908 wurde er zum Kommandeur des XVI. Armeekorpses (Witebsk) ernannt, übernahm ab dem 3. März 1911 die Leitung des X. Armeekorpses (Charkow) und wurde am 6. Dezember 1912 zum Infanterie-General befördert.

Nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges wurden seine Korps in den Verband der 3. Armee des Generals N. W. Russkij integriert. Am Ende des Truppenaufmarsches gehörten die 9., die 31. und die 78. Infanterie-Division zu Sievers‘ Korps. S. durchbrach am 17. (30.) August bei Peremyschljany die Frontlinie des XII.österreichisch-ungarischen Korps, was zum Auslöser für den Rückzug der gesamten 3. österreichisch-ungarischen Armee wurde, und erbeutete dabei 16 Geschütze. In der Schlacht bei der Kleinstadt Rawa Ruska am 26. August (8. September) durchbrachen die österreichisch-ungarischen Truppen die Frontlinie von Sievers‘ Korps in der Nähe von Waldorf und zwangen ihn zum Rückzug. Am 28. August (10. September) gelang es Sievers den Durchbruch vonWaldorf zu eliminieren. „Für die Entschlossenheit, Beharrlichkeit und Tatkraft, die er bei der Leitung der Operationen des Korps am Fluss GnilaLipa bewies, als die Truppen unter äußerst schwierigen örtlichen Bedingungen eine stark befestigte Position zwischen der Stadt Peremyschl und dem DorfJantschin attackierten, wobei der Kampf die totale Niederlage bedeutender Truppenteile des Gegners zur Folge hatte“, wurde Sievers am 22. September 1914 mit dem Orden des Heiligen Georg der 4. Klasse ausgezeichnet. Des Weiteren erhielt er den Orden des Heiligen Alexander Newski mit Schwertern (25. Oktober 1914).

Am 23. September 1914 wurde er zum Befehlshaber der 10. Armee der Nordwestfront ernannt. Die Führung der Front untersagte es, den Sieg, den das VI. Armeekorps vom General P. S. Balujew erzielt hatte, auszunutzen, und schrieb Sievers vor, in kordonartiger Aufstellung zu operieren. Anfang Oktober besetzte S. Stallupönen und Goldap. Nach der Aufstellung der neuen 1. Armee an der Frontrichtung Mlawa, wurden das II. Kaukasische, das III. Sibirische sowie das XXII., III., XX. und XXVI. Armeekorps Sievers‘ Armee zugeteilt. Von Oktober bis Anfang November führte S. lokale Kämpfe und erzielte dabei mehrere Erfolge. Anfang Dezember startete er erneut Versuche, bei dem ostpreußischen Angerapp vorzustoßen, diese blieben jedoch ohne Erfolg (u. a. wegen dem Mangel an technischen Mitteln). Das III. und das XX. Armeekorps erlitten dabei riesige Verluste. Gemäß dem Plan der Kampagne von 1915 sollte Sievers bei der Durchführung der offensiven Operation zur Einnahme Ostpreußens die Hauptrolle spielen. Die Armee lagerte an der Memel und weiter südlich entlang der Masurischen Seen. Direkt gegenüber den Seen befand sich das ХХ. Armeekorps des Generals P. I. Bulgakow und das XXVI Armeekorps des Generals A. A. Gerngross. Auf der linken Flanke, südlich von Lötzen, stand das III. Sibirische Armeekorps unter General E. A. Radkewitsch. Zur gleichen Zeit wurde Mitte Januar das XXII. Armeekorps unter General A. F. von den Brincken zu der 8. Armee verlegt, die schwere Kämpfe in den Karpaten austrug. Die operative Formation hatte einen linienartigen Charakter und schloss die Möglichkeit eines Manövers aus. Sievers, der die Gefährlichkeit der Situation erkannte, warnte vor der Möglichkeit einer erneuten Anwendung „des Manövers, der von den Deutschen gegen die Armee Generals Rennenkampff eingesetzt wurde“, aber die Frontführung in Person von General Russki und W. D. Bontsch-Brujewitsch schenkte den Hinweisen Sievers‘ keine Aufmerksamkeit. Anfang Januar 1915 führte die Armee auf Befehl Russkis, trotz der Einwände Sievers‘, die Operation von Lasdehnen durch, die keine Erfolge einbrachte und lediglich zur Verlängerung der Frontlinie und dem Aufbrauchen von Reserven führte.

Am 28. Januar (10. Februar) 1915 begann die 10. deutsche Armee einen Vorstoß in den Rücken von Sievers‘ Armee, wobei sie den Hauptschlag gegen das III. Armeekorps (General N. A. Jepantschin) auf der rechten Flanke führte. Nachdem die gesamte Artillerie verloren war, konnte General Jepantschin der Situation nicht mehr Herr werden und das Korps floh nach Kauen. Gleichzeitig zwangen die deutschen Streitkräfte das XXVI. Armeekorps zum Rückzug.Infolgedessen wurde die linke Flanke des XX. Korps entblößt. Allerdings retteten die Operationen des III. Sibirischen Armeekorpses die Armee vor der vollständigen Vernichtung. Sievers und die Frontführung erkannten nicht das Ausmaß der Katastrophe und das XX. Armeekorps erhielt den Befehl zum Rückzug aus Goldap nach Suwalki und Grodno erst am 1. (14.) Februar. Im Gebiet der Augustower Wälder wurde das Korps (die 27., 28., 29., und 50. Infanterie-Division, insgesamt etwa 40 000 Mann und 170 Geschütze) von Truppenteilen der 10. Deutschen Armee unter General H. von Eichhorn eingekreist. Während der achttägigen Gefechte erlitt das Korps schwere Verluste und seine Überreste von 8 000 Mann legten am 8. (21.) Februar die Waffen nieder. Von dem gesamten Korps gelang es nur zwei Regimentern nach Grodno zu gelangen. Die Gesamtverluste der Armee im Verlauf der Gefechte in den Augustower Wäldern beliefen sich auf ungefähr 56 000 Mann und 185 Geschütze.

Am 17. Februar (2. März) 1915 ging S. zusammen mit der 1. und der 12. Armee zum allgemeinen Vormarsch über. Die Kämpfe zogen sich in die Länge. Sievers säuberte die Augustower Wälder von deutschen Truppen und erlitt schwere Verluste bei Grodno. In der zweiten Märzhälfte zwang S. den Gegner dazu, seine Truppen nach Suwalki zurückzuziehen. Nach der Niederlage der deutschen Truppen bei Prasnysch (Przasnysz) begann deren Rückzug an die Grenzen Ostpreußens, aber die Versuche der russischen Armee die Verteidigung des Gegners zu durchbrechen hatten keinen Erfolg. Nach der Niederlage wurde Sievers aus der Armeeführung entlassen und am 25. April 1915 vom Dienst suspendiert. Er konnte die Niederlage der Armee nur schwer verkraften und litt an Depressionen. Es gibt Informationen, dass Sievers nach der Oktoberrevolution in den Süden Russlands reiste und sich 1920 in den Reihen der Streitkräfte Südrusslands befand.

 

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ÜBER DIE ENZYKLOPÄDIE

Die Enzyklopädie wurde auf die Initiative der öffentlichen Organisation „Föderale nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“ (FNKA RD) unter aktiver Beteiligung der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erstellt. Das Projekt wurde von den Regierungen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Während der Projektdurchführung wurden Geldmittel verwendet, welche gemäß den Anordnungen des Präsidenten der Russischen Föderation und auf der Grundlage von durchgeführten Wettbewerben der „Nationalen Wohltätigkeitsstiftung“, den allrussischen öffentlichen Organisationen die „Gesellschaft „Wissen“, die „Russische Union der Rektoren“ u.a., in den Jahren 2015–2017 als Zuschüsse zugewiesen wurden.

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