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ARTIKEL
KORFF (Korff) Nikolaj Alexandrowitsch von (1834–1883). Baron, Pädagoge und Methodist, Semstwo-Funktionär, Publizist

KORFF, Nikolai Alexandrowitsch, * 2. Juli 1834 in Charkow, † 13. November 1883 im Dorf Neskutschnoje (Bezirk Alexandrowsk, Gouvernement Jekaterinoslaw). Baron, Pädagoge, Lehrmethodiker, Semstwo-Politiker und Publizist. Entstammte dem Adelsgeschlecht der von Korffs.

Nach dem frühen Tod seiner Mutter wuchs Korff bis zu seinem 8. Lebensjahr in der Familie seiner Tante T.M. Korff auf und erhielt seine Grundschulausbildung in der Hausschule von D.D. Gradowski. 1842 kam er an die Krümmer'sche Anstalt (von Caspar Heinrich Krümmer gegründete Erziehungsanstalt in Werro, Gouvernement Livland) und setzte seine Ausbildung schließlich 1845 im St. Petersburger Pensionat von A.Ja. Filippow fort. In den Jahren 1848-54 studierte er am Petersburger Lycée impérial Alexandre, das er mit einer Silbermedaille abschloss. Anschließend diente er im Justizministerium, quittierte aber bereits 1856 seinen Dienst und ließ sich auf seinem Landgut Neskutschnoje nieder, wo er an der Ausarbeitung und Umsetzung der Bauernreform von 1861 im Gouvernement Jekaterinoslaw beteiligt war. Nach den Semstwo-Reformen von 1864 wurde Korff zum Mitglied des Alexandrowsker Bezirks-Semstwos, Ehren-Friedensrichter und später Vorsitzenden des Friedensgerichts gewählt. Von 1867 an war er zunächst Mitglied und später Vorsitzender des Bezirksschulrats in Alexandrowsk.

Bekanntheit erlangte Korff vor allem durch sein pädagogisches und bildungspolitisches Engagement. So war er maßgeblich daran beteiligt, die theoretischen und praktischen Grundlagen der von den Semstwo-Organen organisierten Volksbildungseinrichtungen auszuarbeiten, die sowohl den Bedürfnissen der russischen Bauernschaft als auch den begrenzten Finanzierungsmöglichkeiten Rechnung trugen, und entwickelte eine Schulform, in der ein Lehrer parallel drei Jahrgänge in einem einzigen Klassenraum unterrichtete. Das Schuljahr begann im Oktober nach dem Abschluss der Feldarbeiten und dauerte sechs Monate. Korff verfasste das Lehrbuch „Unser Freund“ (1871, 19 Auflagen bis 1908), das zahlreiche praktische Ratschläge und Materialien zur Förderung der kindlichen Entwicklung enthielt und als Ergänzung zu K.D. Uschinskis Russisch-Lehrbuch „Das heimatliche Wort“ bis Anfang des 20. Jahrhunderts in den Dorf- und Volksschulen breite Anwendung fand. In den Jahren 1867-72 war Korff für die Gründung von insgesamt etwa 100 Schulen im Bezirk Jekaterinoslaw verantwortlich, die er selbst inspizierte und durch persönliches Engagement unterstützte, indem er z.B. die Lehrer schulte, Musterstunden gab und sich in der Presse für die Interessen der Volksschulen einsetzte. Die von Korff in der Zeitung „Petersburger Nachrichten“ und in den Journalen „Bote Europas“ und „Volksschule“ veröffentlichten Artikel gingen auch in die Sammelbände “Unsere schulischen Angelegenheiten“ (St. Petersburg, 1873) und „Unsere pädagogischen Fragen“ (Bd. 1-2, Мoskau, 1882-86) ein. Er verfasste fünf für die Dorfschule bestimmte Lehrbücher bzw. pädagogische Leitfäden, darunter „Die russische Elementarschule. Handbuch für Semstwo-Abgeordnete und Dorfschullehrer“ (6 Auflagen, St. Petersburg, 1879), „Wie man Kindern und Erwachsenen Lesen und Schreiben beibringt. Handbuch zum Schreib- und Leseunterricht nach der Lautmethode“ (7 Auflagen, St. Petersburg, 1880) sowie das Buch „Knirps“, das in den Grundschulen zusammen mit der Fibel eingesetzt wurde und später in das Buch „Unser Freund“ einging.

In seinen „Berichten des Alexandrowsker Bezirksschulrats“ befasste sich Korff mit Fragen der Organisation des Schulrats, den Pflichten seiner Mitglieder und der Schulkuratoren, der Gründung von Volksschulen und deren Programm oder der Planung der Schulgebäude, wodurch er den Volksschullehrern und Semstwo-Verantwortlichen große Hilfe leistete. Der von Korff geschaffene Typ der Dorfschule fand auch in anderen Gouvernements weite Verbreitung. Besonders aktiv wurden seine Methoden und pädagogischen Ideen im Kaukasischen Schulbezirk angewandt, von wo viele Lehrer und Pädagogen (wie z.B. der Direktor des Gymnasiums von Kuban D.D. Semjonow) zu Korff kamen, um von seinen Erfahrungen zu profitieren.

Auf Korffs Initiative wurden zentrale Kurse und Konferenzen für Volksschullehrer (1867) durchgeführt und Lehrerbibliotheken eingerichtet. Mit Blick auf die Prinzipien der Volksschule wies Korff darauf hin, dass sich die Vielfalt der in Russland lebenden Nationalitäten auch in einer entsprechenden Vielfalt der Schultypen spiegeln müsse, und trat dafür ein, die Schüler in ihrer jeweiligen Muttersprache zu unterrichten. Als diese Forderung in der die Volksschulen betreffenden Verordnung von 1874 keinen Niederschlag fand, übte er scharfe Kritik.

Korffs Aktivitäten stießen sowohl beim örtlichen Adel als auch bei den zentralen Behörden auf Ablehnung (von den 1870er Jahren an schränkte das Ministerium für Volksbildung die Selbständigkeit der Semstwo-Vertretungen in Schulfragen ein). Als Korff 1872 nicht wieder in den Semstwo gewählt wurde, gab er sein Engagement auf (auch wenn er zum Abgesandten von drei Bauernversammlungen gewählt worden war) und ging in die Schweiz, wo er eine russische Mädchenschule gründete, an der er auch selbst unterrichtete. Aufgrund seiner Arbeitserfahrungen schrieb er das Buch „Die Geschichte des Orients, Griechenlands und Roms für den Unterricht und das Selbststudium“ und veröffentlichte in den Journalen „Bote Europas“, „Die Volksschule“ und „Die Woche“ Fragen der Volksbildung gewidmete Artikel.

Nach seiner im Jahr 1880 erfolgten Rückkehr nach Russland befasste sich Korff in den Bezirken Mariupol und Alexandrowsk mit praktischen Fragen der Volksbildung und vor allem mit dem Problem der Überwindung des Analphabetismus. Um dieses Ziel zu erreichen, entwickelte er einen neuen Typ von Sonntagsschulen, deren Aufgabe darin bestehen sollte, das Wissen früherer Volksschüler zu festigen, und verfasste zur Propagierung seiner Idee das „Handbuch für die Sonntags-Wiederholungs-Schulen“, das zahlreiche methodische Ratschläge für die Lehrer enthielt. Abgesehen davon übersetzte Korff auch das „Handbuch für den Elementarschulunterricht“ des deutschen Pädagogen Ferdinand G. von Herder ins Russische.

Korff gehörte zu den Ersten in Russland, die sich für den „Leser aus dem Volk“ interessierten. 1883 veröffentlichte er einen musterhaften „Katalog der Volksbibliothek“, den die Semstwos bei der Einrichtung von Bibliotheken und Lesestuben nutzten. Viele Ideen Korffs wurden in der von Chrystyna Altschewska und anderen Pädagogen betriebenen Charkower Sonntags-Schule umgesetzt. 1883 trug das Moskauer Stadtoberhaupt B.N. Tschitscherin Korff den Posten des Leiters der städtischen Lehranstalten an, der dieses Angebot allerdings angesichts einer gegen ihn gerichteten Kampagne der Zeitungen „Moskauer Nachrichten“ und „Neue Zeit“ ausschlug.

Korff war Ehrenmitglied der Petersburger Pädagogischen Gesellschaft (1870) und des Moskauer Alphabetisierungskomitees (1871). Er wurde mit der goldenen Medaille des Petersburger Alphabetisierungskomitees (1873) ausgezeichnet und war Ehrenmitglied der Genfer Akademie der Wissenschaften.

Veröffentlichungen: Земский вопрос. (О народном образовании), СПБ, 1867; Из пережитого. Записки..., «Русская старина», 1884, № 3–5.

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ÜBER DIE ENZYKLOPÄDIE

Die Enzyklopädie wurde auf die Initiative der öffentlichen Organisation „Föderale nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“ (FNKA RD) unter aktiver Beteiligung der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erstellt. Das Projekt wurde von den Regierungen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Während der Projektdurchführung wurden Geldmittel verwendet, welche gemäß den Anordnungen des Präsidenten der Russischen Föderation und auf der Grundlage von durchgeführten Wettbewerben der „Nationalen Wohltätigkeitsstiftung“, den allrussischen öffentlichen Organisationen die „Gesellschaft „Wissen“, die „Russische Union der Rektoren“ u.a., in den Jahren 2015–2017 als Zuschüsse zugewiesen wurden.

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