ARBEITSMOBILISIERUNGEN, von den sowjetischen Staatsorganen zur Aufstellung paramilitärischer Arbeitseinheiten durchgeführte Zwangsmaßnahmen (Arbeitsarmee, Arbeitsbrigaden, Arbeitsregimenter, Arbeitsbataillone, Arbeiterkompanien, Arbeiterzüge usw.). In den Jahren des Bürgerkriegs und des Deutsch-Sowjetischen Krieges erfolgten die Arbeitsmobilisierungen im Rahmen der allgemeinen Arbeitspflicht, in der Zwischenkriegszeit aufgrund von Sonderbeschlüssen der höchsten Partei- und Staatsorgane der UdSSR.
Die in der Sowjetunion ansässige deutsche Bevölkerung wurde immer wieder zu Zwangsarbeiten herangezogen. So wurden in den Jahren 1919-20 im Gebiet der Wolgadeutschen Zehntausende Menschen zwangsmobilisiert, um das Getreide und andere im Zuge der Lebensmittelbeschaffung zusammengetragene Nahrungsmittel zu den zentralen Sammelstellen zu transportieren, Wald-, Bau- und Erdarbeiten zu verrichten und Heizmaterial zu beschaffen. Allein im Juli 1920 wurden 7.500 in den deutschen Dörfern ansässige Fuhrleute mit Pferden und Fuhrwerken mobilisiert, um das Getreide zu den an der Wolga gelegenen Anlegestellen bzw. zu den Bahnstationen zu bringen. Im Sommer des gleichen Jahres wurde im Gebiet der Wolgadeutschen eine aus drei Regimentern (jeweils 1.000 Bauern mit Pferden und Fuhrwerken) bestehende deutsche Arbeitsbrigade aufgestellt, die bei der Instandsetzung der strategisch wichtigen Eisenbahnstrecke Altai-Emba eingesetzt wurde. Ende 1920 wurde in Marxstadt ein militärisches Baukommando sowie ein in der Landwirtschaft eingesetztes Arbeitsbataillon aufgestellt. Zahlreiche Bauern wurden mobilisiert, um das bei Gurjew geförderte Erdöl mit Fuhrwerken nach Pokrowsk zu bringen, von wo aus es über die Wolga in die zentralen Industrieregionen verschifft wurde.
Nicht nur im Wolgagebiet1, sondern auch im Gouvernement Petersburg, in Sibirien, in der Ukraine, im Nordkaukasus und in einigen weiteren Regionen wurden Deutsche zu Zwangsarbeiten herangezogen. Die Mobilisierungen sorgten unter der Bevölkerung und insbesondere bei den Bauern für erheblichen Unmut, da sie immer wieder für lange Zeit von den landwirtschaftlichen Arbeiten abgezogen wurden. So gab es immer wieder Fälle von Desertion von der „Arbeitsfront“.
In den 1920er und 1930er Jahren wurden in allen Regionen des Landes einschließlich der kompakten deutschen Siedlungsgebiete Arbeiter für die großen Bauprojekte (Dnepr-Wasserkraftwerk, Magnitogorsker Stahlkombinat, Turkestan-Sibirische Eisenbahn, „Sibstroi“ usw.) und Waldarbeiten „angeworben“, was in vielen Fällen einer Zwangsmobilisierung gleichkam. Am Vorabend des Deutsch-Sowjetischen Kriegs (1940) wurden junge Leute unter der offiziellen Losung, massenhafte „Arbeiterreserven“ zu schaffen, planmäßig zur Ausbildung in handwerklichen Lehranstalten und Fabrikschulen verpflichtet. Allein in der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen wurden auf diese Weise über 700 junge Männer und Frauen mobilisiert.
Während des Deutsch-Sowjetischen Kriegs wurde die gesamte arbeitsfähige deutsche Bevölkerung in den Jahren 1942-43 für die Arbeit in Baubataillonen, Arbeitstrupps, Arbeitskolonnen und Arbeitsbrigaden mobilisiert, die unter dem Oberbegriff „Arbeitsarmee“ zusammengefasst werden. Auch die Umsiedlung der Deutschen zur Arbeit in den im Hohen Norden gelegenen Fischereibetrieben („sekundäre Deportation“) erfolgte im Rahmen der Arbeitsmobilisierung aufgrund entsprechender Anordnungen des Staatlichen Verteidigungskomitees der UdSSR.
Nach dem Krieg wurden keine massenhaften Arbeitsmobilisierungen mehr praktiziert.
Die Enzyklopädie wurde auf die Initiative der öffentlichen Organisation „Föderale nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“ (FNKA RD) unter aktiver Beteiligung der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erstellt. Das Projekt wurde von den Regierungen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Während der Projektdurchführung wurden Geldmittel verwendet, welche gemäß den Anordnungen des Präsidenten der Russischen Föderation und auf der Grundlage von durchgeführten Wettbewerben der „Nationalen Wohltätigkeitsstiftung“, den allrussischen öffentlichen Organisationen die „Gesellschaft „Wissen“, die „Russische Union der Rektoren“ u.a., in den Jahren 2015–2017 als Zuschüsse zugewiesen wurden.
1 13.05.2026
Veranstaltungen
Erinnerung als Kunst: Begegnung mit der Regisseurin Polina Sacharowa im DRHMAm 13. Mai findet im Deutsch-Russischen Haus in Moskau ein offenes Treffen mit der Regisseurin, Schauspielerin und Leiterin des Theaters „Mimikrija“ Polina Sacharowa statt. Das Gespräch widmet sich der Frage, wie familiäre und historische Erinnerung zur Grundlage von Theaterinszenierungen wird und sich in lebendige Bühnenkunst verwandelt.
1 07.05.2026
Offene Treffen
In der Welt des Volkstanzes: Offenes Treffen mit den Leitern von TanzensemblesAm 11. Mai lädt das Kultur- und Geschäftszentrum der Russlanddeutschen in Kaliningrad zu einem offenen Tanztreffen ein. Die Leiterinnen der Ensembles aus Kaliningrad und Moskau, Olga Schadrina und Guselija Sirasijewa, werden den Gästen die Türen zur ausdrucksstarken Welt des Volkstanzes öffnen.
1 04.05.2026
Offene Treffen
Das Erbe der Maniser: Offenes Treffen mit Darja WoroninaAm 7. Mai wird den Gästen des Kultur- und Geschäftszentrums der Stadt Kaliningrad ein einzigartiges Phänomen der Kunstgeschichte vorgestellt – der Lebens- und Schaffensweg der Meister aus der Dynastie der Maniser. Referentin des offenen Treffens ist die Kunstvermittlerin, Künstlerin und Kunsthistorikerin, Kuratorin des Festivals für zeitgenössische Kirchenkunst „Sehen und Hören“ sowie Forscherin zum Schaffen der Künstler der Russlanddeutschen Darja Woronina.
1 30.04.2026
Offene Treffen
„Wir selbst“ – Roman und lebendige Erinnerung: In Tomsk findet offenes Treffen mit Alexander Heier stattAm 30. April findet in Tomsk ein offenes Treffen mit Alexander Heier, dem Direktor des Deutsch-Russischen Hauses in Tomsk, statt. Die Teilnehmer erfahren mehr über das Schicksal des Schriftstellers Gerhard Sawatzky, seinen Roman und die Rolle der deutschen Sprache bei der Bewahrung des historischen Gedächtnisses der Russlanddeutschen.
1 30.04.2026
Veranstaltungen
Der gesamtrussische Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“ startet!Am 27. April fiel der Startschuss für den 10. gesamtrussischen Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“. In diesem Jahr feiert das Projekt sein Jubiläum und bringt weiterhin Teilnehmer aus dem ganzen Land zusammen, wobei sechs thematische Kategorien für verschiedene Altersgruppen angeboten werden.
1 29.04.2026
Offene Treffen
Deutsches Jekaterinburg: Offenes Treffen über Geschichte der deutschen Gemeinde auf dem StadtplanIn Jekaterinburg findet ein offenes Treffen mit der Kandidatin der Kulturwissenschaften Jekaterina Kaluschnikowa statt, das der Geschichte der deutschen Gemeinde gewidmet ist. Die Teilnehmer erfahren, welche Rolle die Deutschen bei der Entstehung der Stadt gespielt haben – von der Industrie bis hin zu Bildung und Wissenschaft.
1 28.04.2026
Veranstaltungen
Abschlussfeier der Sprachclubsaison im Deutsch-Russischen Haus in Moskau: erste Teil des FeiertagesAm 18. April hat im Deutsch-Russischen Haus in Moskau die Abschlussfeier der ethnokulturellen Sprachclubsaison stattgefunden. Die Teilnehmenden besprachen die Ergebnisse der Arbeit, präsentierten kreative Darbietungen und betonten in ungezwungener Atmosphäre die Bedeutung des Erhalts der Sprache, der Traditionen und der kulturellen Identität der Russlanddeutschen.
1 27.04.2026
Eliteförderung/Avantgarde
Generationendialog und neue Ideen: Kulturhistorisches Seminar im Deutsch-Russischen Haus in MoskauAm 25. April war der letzte Tag des jährlichen Kulturhistorischen Seminars im Deutsch-Russischen Haus in Moskau. Zum elften Mal brachte es Nachwuchswissenschaftler sowie führende Experten aus dem ganzen Land zusammen. Über mehrere Tage diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen, präsentierten ihre Forschungsergebnisse und suchten nach neuen Entwicklungsfeldern.
1 26.04.2026
Interview
„Hierher möchte man immer wieder zurückkehren“: Erfahrungsberichte der ständigen Teilnehmer des Kulturhistorischen SeminarsDas Kulturhistorische Seminar verbindet seit elf Jahren Forscherinnen und Forscher, für viele von ihnen ist es eine bedeutende Station auf ihrem akademischen Weg. Wir haben mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern gesprochen, die immer wieder hierher zurückkehren, darüber, wie sich ihre Erfahrungen verändern, worauf an diesem Projekt der Schwerpunkt liegt und warum es so besonders bleibt.
1 25.04.2026
Veranstaltungen
Kulturhistorisches Seminar – 2026 hat im DRHM begonnen!Am 22. April begann im Deutsch-Russischen Haus in Moskau das jährliche kulturhistorische Seminar, zu dem Studierende, Doktoranden und Nachwuchswissenschaftler aus verschiedenen Regionen des Landes zusammengekommen sind. Über mehrere Tage hinweg werden die Teilnehmer über die Geschichte, Kultur und die aktuelle Entwicklung der Russlanddeutschen diskutieren sowie ihre Forschungsarbeiten vorstellen und wissenschaftliche Erfahrungen austauschen.