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ARTIKEL
ZIELKE REINHOLD Gründer und Betreuer des von ihm zusammengetragenen "Scheunenmuseums" zur russlanddeutsche Kulturgeschichte in Nidda (Hessen, Deutschland), bekannter Geschichts- und Kulturkundschafter der Deutschen aus Russland, akribischer Sammler und Bewahrer russlanddeutschen Kulturgutes

ZIELKE REINHOLD (24. Oktober 1934, Schöntal/Nowoskatowka, Omsker Gebiet, Russland – 28. April 2019, Neuberg, Deutschland), Gründer und Betreuer des von ihm zusammengetragenen "Scheunenmuseums" zur russlanddeutsche Kulturgeschichte in Nidda (Hessen, Deutschland), bekannter Geschichts- und Kulturkundschafter der Deutschen aus Russland, akribischer Sammler und Bewahrer russlanddeutschen Kulturgutes.

Geboren als zweiter aus 7 Kinder in der Familie des Dichters und Dorfschullehrerers Alexander Zielke (24. Juni 1910, Dorf Chatki, Minsker Goevernemeunt – 30.05.1981, Nowoskatowka, Omsker Gebiet). Mutter – Regine, geb. Zeitler (1911, Schöntal, Omsker Gebiet – 2003, Wiesbaden, Deutschland). Als Reinhold 4 Jahre war, wurde der Vater im März 1938 unter der falschen Anklage der „antisowjetischen Agitation, gerichtet gegen die Maßnahmen der Sowjetmacht, wegen Lobpreisung des faschistischen Regimes in Deutschland" verhaftet und zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt, jedoch wurde er schon im Januar 1939 vorzeitig entlassen. Der Einfluss des Vaters, der nach der Arbeitsarmee von Ural zurüchkekommen war und nie aus den Augen die Erziehung der Kinder ließ, war unverkennbar. Ganz am Anfang Reinholds Bestrebens, das Kulturerbe der Russlanddeutschen zu erhalten, stand der Vater, der als Deutschlehrer in der Dorfschule in Nowoskatovka tätig war und in dem kleinen Knaben die Begabung zur Geschichte und deutscher Literatur erkannte und pflegte. Reinhold träumte davon, auch Lehrer, Schriftsteller oder Historiker zu werden. Seine Arbeiten, Artikel und Zeichnungen werden später ein Teil des von ihm gegründeten "Scheunenmuseums". Nach der 7. Klasse in der Mittelschule in Nowoskatowka (1942–1951) besuchte Reinhold eine Schule in einem Nebendorf Ekaterinoslawka (1951–1953), wo die Kinder mittleren Bildungsabschluss mit allen weiterführenden Möglichkeiten nachholen konnten. Nach dem Schulabschluss folgte eine Berufsausbildung an der Berufsschule für Bibliothekswesen in Omsk. In den Jahren 1954 bis 1958 arbeitete Zielke als Bibliotekar in Nowoskatowka. Wegen der Konflikte mit den sowjetischen Behörden aufgrund seiner Öffentlichkeitstätigkeit zugunsten der deutschen Minderheit im Omsker Gebiet verlor er sein Amt als Leiter der Bibliothek und musste weiter 1958–1960 als Hilfsarbeiter im Sowchos Ekaterinoslawsky (staatlicher landwirtschaftlicher Großbetrieb in der ehemaligen UdSSR) arbeiten. In den Jahren 1960 bis 1972 arbeitete Reinhold als Werkunterrichtlehrer in der Mittelschule Nowoskatowka. 1963 begann er gleichzeitig das Fernstudium an der Omsker Staatlichen Pädagogischen Hochschule, Fakultät für deutsche Sprache. Viele Lehrkräfte unterstützten ihn, darunter auch namhafter russlanddeutscher Schriftsteller und Pädagog aus Nowosibirsk Victor Klein, der während der Sommerferien in den deutschen Dörfern des Gebiets Omsk die kulturellen Errungenschaften wie Sprichwörter und Redewendungen sammelte. Nach dem Hochschulabschluss im Jahr 1967 folgte eine langjährige Lehrertätigkeit in der Mittelschule Nowoskatowka als Deutschlehrer, seit 1972 arbeitete er als Vizedirektor in der Mittelschule Nowoskatowka. In dieser Zeit begann Zielke zahlreiche Zeugnisse russlanddeutscher Kulturgeschichte zu sammeln. Hier hatte Zielke in einem Schulraum ein Museumsarchiv eingerichtet. Später gründete er in der Schule ein Schulmuseum für die Schüler, der seit Ende 1980er auch der Öffentlichkeit zugänglich war. Im November 1990 siedelte die Familie Zielke nach Deutschland um. Bei der Ausreise brachte die Familie das ganze Familienarchiv, viele Bücher aus der Bibliothek des Vaters – Schriftsteller Alexander Zielke und einige Gegenstände nach Deutschland mit. Dank dem Zufall wurde die Familie nach Nidda (Landkreis Gießen, Hessen) verteilt, wo vor 240 Jahren ihre Vorfahren an die Wolga aufgebrochen waren. In den Jahren 1991 bis 1998 hat Zielke dank der Unterstützung des Schulleiters Richard Waltz an der Grundschule Nidda unterrichtet, wo man eine Fördergruppe für Aussiedlerkinder eingerichtet hatte.

Seit 1991 begann Zielke die Sammelaktion zur Wanderausstellung und bekam viele Objekte von Aussiedlern aus ganz Deutschland zugesendet. Seit 2002 war er mit seiner Ausstellung in ganzem Deutschland unterwegs und gründete in Nidda eine Heimatstube der Russlanddeutschen mit Daueraustellung (später umbenannt in das „Scheunenmuseum“) mit ca. 2000 Exponaten. Das Scheunenmuseum befand sich im ehemaligen Getreidespeicher auf 45 qm. Seit 2013 konnte Zielke aus gesundheitlichen Gründen seine Sammlung nicht mehr betreuen, die Gegenstände wurden 2017 im Stadtarchiv Fulda beherbergt. Im Juli 2019 hat das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (Nürnberg) der große Teil der Exponate erhalten, um die künftige Dauerausstellung zu behalten und unterzubringen.

Seit Oktober 1954 war Reinhold Zielke verheiratet. Ehefrau – Amalia geb. Heinz (geb. am 23. März 1934, Schöntal/Nowoskatowka, Omsker Gebiet), ältere aus 10 Kinder in der Familie Heinz. Vater Biologielehrer Konrad Heinz, Mutter Berta Heinz, verhaftet im Jahr 1948, Hausfrau. Einer der Bruder ist russlanddeutsche Schriftsteller Viktor Heinz. Nach der Mittelschule in Nowoskatowka besuchte Amalia die Schule in Ekaterinoslawka, dann machte sie die Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau, in den Jahren 1966–1968 folgte noch eine Berufsausbildung an der Berufsschule für Bibliothekswesen in Omsk. Bis Ausreise nach Deutschland im November 1990 arbeitete sie als Bibliotekarin und Direktorin der Dorfbibliothek in Nowoskatowka. Amalia blieb jahrelang eine besonders wertvolle Unterstützung bei der Gründung der Wanderausstellung und der Tätigkeit des Scheunenmuseums. Reinhold und Amalia hatten 5 Kinder.

Begraben ist Reinhold Zielke auf dem Friedhof Ravolzhausen (Hessen, Deutschland).

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ÜBER DIE ENZYKLOPÄDIE

Die Enzyklopädie wurde auf die Initiative der öffentlichen Organisation „Föderale nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“ (FNKA RD) unter aktiver Beteiligung der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erstellt. Das Projekt wurde von den Regierungen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Während der Projektdurchführung wurden Geldmittel verwendet, welche gemäß den Anordnungen des Präsidenten der Russischen Föderation und auf der Grundlage von durchgeführten Wettbewerben der „Nationalen Wohltätigkeitsstiftung“, den allrussischen öffentlichen Organisationen die „Gesellschaft „Wissen“, die „Russische Union der Rektoren“ u.a., in den Jahren 2015–2017 als Zuschüsse zugewiesen wurden.

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RUSDEUTSCH
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